Offizielle Auftritte liegen dem 56-Jährigen weniger
Der bayerische Duz-Banker

Dieter Rampl hat die Hypo-Vereinsbank aus der Existenzkrise geführt. Mit ihm ist Lockerheit in die Chefetage eingekehrt. Aber manche vermissen Führungsstärke.

MÜNCHEN. Eine der ersten Entscheidungen, die Dieter Rampl in seinem neuen Job traf, war eine praktische und symbolische zugleich. Er blieb einfach da, wo er war. Und alle anderen mussten zu ihm kommen.

Als neuer Vorstandsvorsitzender der Hypo-Vereinsbank hätte er Anspruch auf das gediegene Chefbüro seines Vorgängers Albrecht Schmidt gehabt, einige Hundert Meter Luftlinie entfernt. Doch er blieb in dem schlichten Zweckbau, der in den 70er-Jahren modern war, in seinem Eckbüro: Ficus-Baum in der Ecke, Corbusier-Sitzecke, heller Teppichboden, Blick auf den Englischen Garten. Und die anderen, in München verstreuten Vorstände sammelte er auf seinem Flur. Jetzt sind die Wege kurz – und Aufsichtsratschef Schmidt ist fern.

Damit begann die Emanzipation Rampls von seinem Mentor. Schlecht steht es zu diesem Zeitpunkt, im Januar dieses Jahres, um die zweitgrößte Bank Deutschlands: tiefrote Zahlen, eine ziemlich dünne Kapitaldecke, massiver Druck der Ratingagenturen, der Absturz an den Börsen, ein dramatischer Kursverfall der HVB-Aktie. Eine schwierigere Aufgabe hat die deutsche Wirtschaft nicht zu vergeben.

„Der Job ist nicht vergnügungssteuerpflichtig“, sagt Rampl bei seiner Ernennung. Hinter den Kulissen heißt es damals gar, der Münchener musste zur neuen Aufgabe gedrängt werden. „Ich habe mich für diese Aufgabe entschieden, und ich mache sie auch mit Freude“, sagt Rampl heute. Seine Lebensplanung war angeblich eine andere: Viel lieber hätte er sich bald nach Florida zurückgezogen. Dort hat er ein Haus auf Sanibel Island und geht gerne stundenlang am Strand spazieren. Aber Florida muss warten.

Kein Zweifel, die vergangenen zwölf Monate waren hart. Die Falten haben sich eine Spur tiefer in sein Gesicht gegraben. Der 56-Jährige raucht eine Marlboro nach der anderen, obwohl er es doch aufgeben wollte. Er musste entlassen, verkaufen, abwickeln. Trotzdem gibt er sich gut gelaunt. Er lacht ein breites Lachen und entblößt dabei die Zähne. „Ich bin halt ein fröhlicher Mensch“, sagt er mit bayerischer Färbung. „Wenn ich griesgrämig würde, dann würde ich aufhören.“

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