Offshore-Skepsis in Deutschland
Die Angst vor dem Sand im Getriebe

Viele Berater propagieren noch immer die Verlagerung von IT-Dienstleistungen ins billigere Ausland. Deutsche Manager haben dagegen Vorbehalte. Sie fürchten die Distanz und Reibungsverluste in der Kommunikation.

Computerfirmen in Deutschland machen sich gerade nicht viele Freunde. Ihre Versuche, ihre IT-Dienstleistungen nach Osteuropa, in Billiglohnländer wie Indien, China, Brasilien oder in die Staaten der ehemaligen Sowjetunion zu verlagern, gefallen den Unternehmen nicht. Eine Befragung von 400 Managern aus mittelständischen und großen Unternehmen durch das Münchener IT-Beratungsunternehmen Softlab zeigt: Die so genannten Offshoring-Angebote – das Auslagern von Dienstleistungen über die Grenzen – akzeptiert nur ein Viertel der Befragten.

Die Ergebnisse, die Marktforscher Meetbiz aus Hürth für die BMW-Tochter Softlab zusammentrug, dürften dem Auftraggeber nicht geschmeckt haben. Sie zeigen deutlich, wie wenig die Idee den Entscheidern hier behagt, wichtige Daten oder Aufgaben auch nur teilweise an Anbieter zum Beispiel in Indien auszulagern. Auch wenn viele Manager im Grunde nichts dagegen haben, Aufgaben an Dienstleister zu delegieren und Kosten zu sparen, gibt es hohe Hürden, die oft die Vertragsabschlüsse verhindern.

Schließlich sind die Kosten nicht alles bei der Wahl eines Dienstleisters. Auch das Vertrauen spielt eine Rolle, sagt Klaus von der Osten-Sacken, Mitglied der Softlab-Geschäftsführung. Und er ergänzt: „Die Qualität von Dienstleistungen ist in hohem Maß von der Qualität der Kommunikation abhängig.“ Doch gerade hieran hapert es, wie die bisherigen Erfahrungen deutscher Unternehmen mit Offshore-Partnern zeigen.

Sechs von zehn Managern fürchten Verständigungsschwierigkeiten – zu Recht, denn nicht nur die sprachlichen Defizite sorgen oft für Missverständnisse. Auch kulturelle Barrieren, etwa die in deutschen Unternehmen gefürchtete blinde Autoritätshörigkeit indischer Projektpartner, schrecken ab. „Im traditionellen indischen Unternehmen ist es nicht üblich, dass der Mitarbeiter einem Ranghöheren widerspricht. In westlichen Unternehmen, vor allem in der High-Tech-Branche, erwarten Chefs Warnungen oder Hinweise ihrer Mitarbeiter. Der Spezialist hat die Pflicht, Fehleinschätzungen aufzuzeigen und auszuräumen“, beschreibt ein Abteilungsleiter eines weltweit agierenden Messtechnikunternehmens.

Die Folge der Autoritätshörigkeit: Probleme bleiben unerwähnt, und auch die unsinnigsten Anweisungen des Auftraggebers werden haargenau abgearbeitet. Oft fahren Projekte gegen die Wand, weil die zurückhaltenden Auftragnehmer zunächst in aller Stille versuchen, Unerfüllbares zu erfüllen – und dann scheitern. Auch die Tatsache, dass das Lesen von fremden E-Mails in Indien nicht als Eingriff in die Privatsphäre gilt, irritiert viele potenzielle Auftraggeber. In Indien ist es üblich, alle Mails – selbst Small Talk mit dem Geschäftspartner – dem eigenen Chef in Kopie zu schicken.

Dass bei Auslagerungsgeschäften sensible Geschäftsdaten schnell in falsche Hände gelangen können, davor warnen Sicherheitsexperten wie Christian Schaaf von Result Group ohnehin. Ein weiteres Risiko sieht mehr als die Hälfte der Unternehmen in zeitlichen Verzögerungen wegen der geographischen Entfernung, wenn es konkrete Probleme zu lösen gilt. Auch geringere Qualitätsmaßstäbe in den Billiglohnländern nennen 44 Prozent als Grund für ihre Skepsis.

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