Ohne soziale Kompetenz sehen Manager heute alt
Autoritär aus Mangel an Souveränität

Viele Chefs wollen gar nicht autoritär sein. Aber die Wirklichkeit sieht oft anders aus – und schadet den Unternehmen.

Als im Bremer Musicaltheater der Vorhang fiel, wurde es laut: Schallende Buh-Rufe verhagelten dem Musical-Geschäftsführer René Meyer-Brede den Abgang, als er am Ende der letzten Vorstellung des Stückes „Hair“ die Bühne betrat.

Für den bitteren Abgang Anfang dieses Jahres ist der Musical-Chef in den Augen vieler Mitarbeiter selbst verantwortlich. Auch wenn ihm die Insolvenz des Musicalbetriebs nicht allein anzukreiden ist, finden sich in der 107-köpfigen Belegschaft kaum Stimmen, die eine Lanze für den Ex-Chef brechen.

Im Gegenteil: Er habe das Unternehmen gelähmt, als es um sein Überleben kämpfte, heißt es. Je schwieriger die Lage wegen des dürren Publikumsinteresses wurde, desto mehr hätte den Chef die Kontrollitis ergriffen. Alle Entscheidungen mussten über seinen Schreibtisch laufen, vieles wurde deshalb zu spät oder gar nicht entscheiden. „Am Ende fehlte allen die Lust, Energie in Ideen zu stecken, mit denen sich das Ruder nochmal hätte rumreißen lassen“, erinnert sich ein Ex-Mitarbeiter.

Der theoretischen Ansicht folgen nur selten Taten

Daniel Pinnow, Vorsitzender der Geschäftsführung der Akademie für Führungskräfte in Bad Harzburg, kennt viele ähnliche Geschichten: Chefs, die zu Kontrollfreaks mutieren, oder Manager, die sich mangels Argumenten allein auf ihre Position im Firmenorganigramm berufen. Für sie sei der drohende Kontrollverlust schlimmer als der Schaden, der dem Unternehmen durch ihr Verhalten entsteht.

Mit seiner Ablehnung solch autoritärer Führungsmuster steht Pinnow nicht allein da. Eine Umfrage der Akademie für Führungskräfte in Bad Harzburg zeigt, dass deutsche Manager zumindest verbal gerade in Krisenzeiten Begeisterungsfähigkeit und Wahrhaftigkeit als wichtigste Elemente eines guten Führungsstils betrachten. 92 Prozent der Befragten halten Sozialkompetenz, Charisma und Vertrauensbildung für besonders wichtig.

Autorität ist dagegen im Bild, das sich die Manager von sich selbst machen, verpönt: Nur acht Prozent von 267 Befragten wollen sie zu den wichtigsten Charakterzügen einer guten Führungskraft zählen. Doch der theoretischen Ansicht folgen nur selten Taten.

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