Oldenburgische Zurückhaltung
Buhmann und Musterknabe

Werner Brinker jongliert mit seinen Rollen als Verbandspräsident der Stromerzeuger und Chef des Versorgers EWE. Die Doppelbelastung aus Ehrenamt und Vorstandsvorsitz hat so ihren Tücken.

OLDENBURG. Der Tag nimmt ein versöhnliches Ende: Das Ambiente stimmt, die Zuhörer sind aufmerksam und höflich. Werner Brinker, Vorstandschef des Oldenburger Regionalversorgers EWE, spricht vor rund 60 Gästen des „Clubs zu Bremen“, einer über 220 Jahre alten Vereinigung von Geschäftsleuten der Hansestadt.

Brinker, grau meliertes, gescheiteltes Haar, Brille und dem Anlass angemessen im dunklen Zweireiher, hält einen Vortrag mit dem Titel „Die Stromwirtschaft zwischen Wettbewerb und Politik“. Über eineinhalb Stunden und mit Hilfe von 40 Folien darf er erklären, warum die Strom- und Gaspreise derzeit steigen. Der sportliche 52-Jährige redet frei, unterhaltsam und pointiert – am Ende gibt es sogar Applaus.

Der Morgen war nicht so friedlich. „EWE will 9,1 Prozent mehr für den Strom“, titelte der „Ostfriesische Kurier“. Zum zweiten Mal innerhalb von sechs Wochen stand der Versorger am Pranger, Anfang September hatte er bereits die Gaspreise um zwölf Prozent erhöht.

Dazwischen liegen anstrengende Wochen für Brinker. In Politik und Öffentlichkeit entbrannte eine erbitterte Debatte über die Energiepreise; Verbraucherschützer sprachen von „Preistreiberei“ und „Abzocke“. Und während viele Energiemanager auf Tauchstation gingen, musste Brinker in seiner Funktion als Präsident des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) den Kopf hinhalten. Sogar bei Sabine Christiansen versuchte der trocken-distanzierte Niedersachse, den Volkszorn zu kühlen – vor 3,6 Millionen Zuschauern. Dabei ist das nicht das Forum, das der Kunst- und Musikinteressierte sucht.

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