OLG Frankfurt
Die durchschnittliche Aufmerksamkeit für TV-Spots ist gering

Bei der Beurteilung der Frage der Irreführung eines Werbespots ist von einem durchschnittlichen Verbraucher auszugehen, der die Werbung in situationsadäquater Weise zur Kenntnis nehme. Die durchschnittliche Aufmerksamkeit der Zuschauer beim Betrachten von Fernsehwerbung sei eher gering. Diese Ausführung machte das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Beispiel eines Werbespots für Telefontarife.

Es sei zu berücksichtigen, dass der Zuschauer eine Fernsehwerbung häufig nur deshalb wahrnehme, weil sich ihm in der gegebenen Situation keine anderweitige Möglichkeit biete, die Unterbrechung der ausgewählten Sendung zu überbrücken oder weil er die Fortsetzung des Programms nach der Werbepause nicht versäumen möchte. Verbraucher, die der Werbung mit ungeteilter und gespannter Aufmerksamkeit folgen und sie in allen Details erfassen, bildeten die Ausnahme.

Im Unterschied zu schriftlicher Werbung in Zeitungsanzeigen, Prospekten und ähnlichem bestehe bei der Fernsehwerbung auch keine Gelegenheit, sich einzelne Werbeaussage nochmals genauer vor Augen zu führen. Deswegen bewertete das Gericht in dem vorliegenden Fall den Werbespot als irreführend, obwohl darin mehrfach ein Wort vorkam, durch welches sich der Sinn des Spots erschloss.

OLG Frankfurt vom 23.9.2004 ; Az. 6 U 147/03

GRUR 2005, 128

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%