OLG Frankfurt: Sind die Büchergutscheine von „Lions“ wettbewerbswidrig?

OLG Frankfurt
Sind die Büchergutscheine von „Lions“ wettbewerbswidrig?

Bei einer Werbeaktion für die Schokoriegel "Lions" und "Nuts" sammelten Kunden Gutscheine im Wert von 5 Euro für einen Einkauf bei "amazon". Während das Landgericht (LG) Frankfurt darin ein wettbewerbswidriges Anlocken von Kunden, insbesondere von Kindern und Jugendlichen, sah, hatte das OLG Frankfurt daran nichts auszusetzen.

Zwar sei eine Wettbewerbshandlung unlauter, wenn sie geeignet sei, die geschäftliche Unerfahrenheit insbesondere von Kindern und Jugendlichen auszunutzen. Allerdings müsse sich die Aktion auch tatsächlich an Kinder und Jugendliche wenden. Ausschlaggebend sei hier der Empfängerhorizont. Bereits daran könne im vorliegenden Fall gezweifelt werden. Aus einem Gutachten ergebe sich, dass sich die Aktion in erster Linie auf die Gruppe der 40 bis 49-jährigen, gefolgt von der Gruppe der 30 bis 39-Jährigen richte. Der Umstand, dass der Kunde auf der Verpackung mit "Du" angesprochen werde, ändere daran nichts. Diese Anrede sei in der Werbung durchaus auch im Zusammenhang mit Erwachsenen gebräuchlich ("Wohnst Du noch oder lebst du schon?"). Außerdem trage auch an Erwachsene gerichtete Werbung bisweilen durchaus naive Züge.

Von der geschäftlichen Unerfahrenheit bei Kindern und Jugendlichen sei stets auszugehen. Sie neigten dazu, gefühlsmäßig und spontan zu entscheiden. Allerdings bedeute dies nicht, dass jede Werbung, die sich gezielt an Kinder und Jugendlichen als Verbrauchergruppe wende, damit auch geeignet sei, deren geschäftliche Unerfahrenheit auszunutzen. Zwar reiche die Eignung zur Ausnutzung aus. Allerdings komme es für die Beurteilung auch darauf an, ob die Ausnutzung eines durchschnittlich aufmerksamen und verständigen Mitglieds der angesprochenen Altersgruppe objektiv wahrscheinlich sei.

Nach Fall von Rabattgesetz und Zugabeverordnung sei eine Sammelaktionen der vorliegenden Art im allgemeinen üblich. Deswegen erscheine es unzulässig, diese allgemein gebräuchliche und dem Verkehr gewohnte Werbeform in der Werbung gegenüber Kindern generell als unzulässig zu bewerten. Die Intensität der Beeinflussung müsse so groß sein, dass die Rationalität der Entscheidung insbesondere im Hinblick auf Preiswürdigkeit und Qualität des Angebotes völlig in den Hintergrund treten. Davon sei im vorliegenden Falle nicht auszugehen.

OLG Frankfurt vom 4.8.2005 ; Az. 6 U 224/04
- Fundstelle: eigene -

Kontakt: Dr. Peter Schotthöfer

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%