Oligarch Oleg Deripaska
Wie ein Bulldozer

Mit ruppigen Methoden ist Oleg Deripaska zum reichsten Russen aufgestiegen. Über 21 Milliarden Dollar soll er inzwischen an Privatvermögen besitzen. Nun kauft sich der Oligarch in Europas Konzerne ein.

BERLIN. Da vergrub Roman Abramowitsch sein Gesicht in den Händen. Nicht weil FC Chelsea, der Londoner Millionärs-Klub des mächtigen Jetset-Oligarchen, an der Themse schlecht gespielt hätte. Und auch nicht wegen seiner Scheidung, der teuersten aller Zeiten weltweit.

Nein, weil „Roma“, wie er von seinen Freunden genannt wird, nur noch die Nummer zwei ist in der Rangliste von Moskaus Milliardären. Den Spitzenplatz nimmt im neuesten Index des russischen Wirtschaftsmagazins „Finans“ jetzt jemand anders ein: Oleg Deripaska. Und der lächelt denn auf dem Foto, das im Magazin neben dem von Abramowitsch abgedruckt ist, stolz und breit. Über 21 Milliarden Dollar soll Deripaska, der Mann mit dem Kurzhaarschnitt und den stechenden Augen, nach Berechnungen des Journals inzwischen an Privatvermögen besitzen.

Viel Geld, das er vor allem mit der russischen Aluminiumindustrie verdient hat. Und jetzt drängt er mit Macht nach Europa und investiert. Gerade hat er sich überraschend mit 30 Prozent am österreichischen Baukonzern Strabag beteiligt. Wo steigt der Milliardär mit der rasanten Karriere als Nächstes ein?

Eine Karriere, die unter schlechten Voraussetzungen begann. Der heute 39-Jährige wuchs in der grauen und stark von Abgasen und Schwermetallen verseuchten Provinzstadt Dserschinsk an der Wolga auf. Er lebt damals gemeinsam mit seinen Eltern und der Babuschka (Oma) in einem nur 16 Quadratmeter großen Zimmer. Es gehört zu einer Wohnung, in der mehrere Familien hausen. Die Deripaskas sind so arm, dass sie nicht mal einen Kinderwagen für den kleinen Oleg besitzen. Mutter Walentina muss ihren Knaben im Weidenkorb in den Park tragen. Der Vater stirbt bald.

Die Erinnerung an die Armut müsse bei Oleg Deripaska so nachhaltig sein, dass er heute „Geld mit solch einer Verbissenheit und Energie macht, als gehe es ums Überleben“. Dabei, so die russische Ausgabe des US-Finanzmagazins „Forbes“ weiter, walze Deripaskas Holding Basowyj Element (BasEl) „wie ein Bulldozer alles nieder, was ihm auf dem Markt entgegenkommt“.

Jüngstes Ziel in der langen Kette von Übernahmen durch BasEl ist eben das 30-prozentige Paket des österreichischen Baukonzerns Strabag. Dabei ist Deripaskas Interesse an Österreich nicht zufällig: Denn er versucht derzeit nach Angaben aus diplomatischen Kreisen mit aller Macht, die österreichische Staatsbürgerschaft oder wenigstens ein Daueraufenthaltsrecht in der Alpenrepublik zu bekommen. Er sorgt damit für den Fall vor, dass nach der Wahl 2008 ein neuer Präsident die Eigentumsverhältnisse in der russischen Industrie neu ordnen sollte. Der amtierende Kremlchef Wladimir Putin hatte die Medien-Oligarchen Boris Beresowskij und Wladimir Gussinskij aus Russland ins Exil vertrieben und den Ölbaron Michail Chodorkowskij in sibirische Lagerhaft gebracht.

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