Oliver Kaltner hört auf

Leica-Chef geht im Führungsstreit

Nach nicht einmal zwei Jahren will Leica-Chef Oliver Kaltner seinen Vertrag nicht mehr verlängern. Der traditionsreiche Kamerahersteller muss nun einen Nachfolger suchen. Offenbar eckte Kaltner mit seinem Führungsstil an.
Update: 31.01.2017 - 17:36 Uhr Kommentieren
Der Leica-Chef will sein zum 31. August 2017 endendes Mandat nicht verlängern. Quelle: Bernd Roselieb für Handelsblatt
Oliver Kaltner

Der Leica-Chef will sein zum 31. August 2017 endendes Mandat nicht verlängern.

(Foto: Bernd Roselieb für Handelsblatt)

WetzlarDer Kamerahersteller Leica muss sich einen neuen Chef suchen. Der Vorstandsvorsitzende Oliver Kaltner habe sich entschlossen, sein zum 31. August 2017 endendes Mandat nicht zu verlängern, teilte eine Unternehmenssprecherin am Dienstag in Wetzlar mit. Seine Entscheidung basiere „auf anderen Plänen, die ich verfolgen möchte“, erklärte Kaltner. Bis Ende August werde er als Vorstandschef der Leica Camera AG „in vollem Umfang“ zur Verfügung stehen. Kaltner hatte den Posten an der Spitze des Traditionsunternehmens im April 2015 angetreten.

Der frühere Microsoft-Manager Kaltner war seit Herbst 2014 bei Leica und seit April 2015 auf dem Chefposten. Aus dem Unternehmen war am Dienstag zu hören, dass der Aufsichtsrat unzufrieden mit dem Führungsstil Kaltners war. Er habe den kleinen Kamerahersteller geführt wie einen Großkonzern. Ihm sei es nicht gelungen, „die Mitarbeiter mitzunehmen“.

Zur Nachfolge will sich Leica erst zu einem späteren Zeitpunkt äußern. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur soll der jetzige Aufsichtsratschef Andreas Kaufmann den Vorstandsvorsitz zunächst kommissarisch übernehmen.

Kaufmann war 2004 bei Leica eingestiegen und hatte den traditionsreichen Namen mit der Übernahme 2006 vor dem drohenden Absturz bewahrt. Der Fotomarkt ist schon lange ein hartes Pflaster. Erst wurden einstige Platzhirsche der klassischen Fotografie wie Kodak oder Polaroid vom Vormarsch der Digitalkameras überrollt. Und inzwischen geraten auch die verbliebenen spezialisierten Anbieter durch die allgegenwärtigen Smartphone-Kameras unter Druck, die für viele Verbraucher einfache „Knipsen“ längst abgelöst haben.

Warum deutsche Retro-Marken so erfolgreich sind
Trend der Retro-Marken
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Kaum eine Hochzeit kommt um Desserts in kleinen Einmachgläsern herum. In deutschen Großstädten baumeln Leica-Kameras an Hälsen von Hipstern und Touristen. Und Millionen Füße stecken in den soliden Werten der Vergangenheit - die Birkenstock-Sandale erlebt einen neuen Boom. Auf einmal sind Marken beliebt, die schon bei Eltern und Großeltern angesagt waren. Vier Gründe, weshalb deutsche Retro-Marke im modernen Lifestyle so erfolgreich geworden sind.

Von bieder zu schick
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Lange war Birkenstock in Deutschland als Ökolatsche verpönt. Dies änderte sich spätestens, als Céline-Designerin Phoebe Philo dem deutschen Schuhhersteller international zu Glamour verhalf. Bei der Vorstellung einer neuen Kollektion in Paris ließ sie Models in Birkenstock über den Laufsteg laufen. Das sorgte in der internationalen Szene für Aufsehen. Seither haben sich die Google-Suchanfragen nach Birkenstock fast verdreifacht.

Birkenstock ist wieder en vogue
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Rund 17,4 Millionen Paare verkaufte das Unternehmen mit Sitz in Neustadt/Wied (Rheinland-Pfalz) im vergangenen Geschäftsjahr. Fast die Hälfte des Umsatzes wurde in Ländern außerhalb Europas, etwa ein Drittel in Deutschland gemacht. Der Umsatz stieg um 22 Prozent auf 333,5 Millionen Euro.

Gesundheit im modernen Look
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„Alte Marken sind nur erfolgreich, wenn sie zeitgemäß wirken. Die Leute wollen keine Produkte der Vergangenheit kaufen. Birkenstock steht für Gesundheit, Ökologie, präsentiert diese Werte aber in einem modernen Look“, erklärt Professor Martin Fassnacht, Inhaber des BWL-Lehrstuhls der Otto Beisheim School of Management. Inzwischen reicht das Sortiment neben dem Klassiker mit breiten Schnallen zu Modellen mit Silberschnallen oder Kunststoff in Neonpink.

Der Wille zur Veränderung
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Der Erfolg von Birkenstock zeige: „Retro“ müsse einhergehen mit dem Willen zur Weiterentwicklung, sagt Anneke Neuhaus von der Frankfurt University of Applied Sciences. Das Vertrauen zu einer Marke könne dauerhaft nur gehalten werden, wenn Innovationen nicht vernachlässigt werden. Diese Kehrtwende hatte Leica gerade noch geschafft. Vor zehn Jahren drohte dem Kamerahersteller aus Wetzlar (Hessen) das Aus.

Leica
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Das Unternehmen hatte Ende der 1990er-Jahre den Einstieg in die Digitalfotografie verpasst. Anfang der 2000er-Jahre war Leica finanziell angezählt. Dabei war sich Vorstandschef Hanns-Peter Cohn 2004 sicher: „Die Digitaltechnik ist nur ein Intermezzo“. Er lag falsch. Leica geriet in Existenznöte: Millionenverluste, Sparkurs, Stellenabbau. „Das Problem war nicht, dass die Innovationen fehlten – sondern dass Leica damit nicht immer etwas anzufangen wusste“, schreibt das Wirtschaftsmagazin „Capital“.

Wieder erfolgreich
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Nach einer Kapitalerhöhung kam das Unternehmen 2010 zurück in die Erfolgsspur: Es schaffte mit der erfolgreichen M-Serie den Sprung ins digitale Zeitalter, entwickelte neue Kameramodelle, alle fanden reißenden Absatz. Im Februar verkündete das Unternehmen den nächsten wegweisenden Schritt: Eine Kooperation mit dem chinesischen Handyhersteller Huawei.

Was sich noch hält, ist das Geschäft mit Kameras für Profis und engagierte Amateure, dominiert von den japanischen Riesen Canon und Nikon. Auch in dem Bereich schützt ein großer Name nicht vor Umwälzungen: Erst Anfang Januar wurde der legendäre schwedische Anbieter Hasselblad vom chinesischen Drohnen-Spezialisten DJI geschluckt. Mit Hasselblad-Kameras wurden einst etwa das Cover der Beatles-LP „Abbey Road“ und die Mondlandung aufgenommen.

Leica hatte sich den Platz in der Geschichte der Fotografie mit der Erfindung der Kleinbildkamera gesichert und sich als Premium-Marke mit Qualitäts-Optik etabliert. Als Kaufmann Leica auffing, machte der Traditionsfirma jedoch massiv die digitale Konkurrenz zu schaffen. Er setzte auf technologische Erneuerung, um die weiterhin üppigen Leica-Preise zu rechtfertigen. Das gerade erst vorgestellte neue Modell M10 (Preis: 6500 Euro ohne Objektiv) hat unter anderem neue Elektronik und einen 24-Megapixel-Chip und erstmals auch einen WLAN-Anschluss.

  • dpa
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