Olsons Zahlen enttäuschten zuletzt
Goodbye, Gütersloh!

Random-House-Chef Peter Olson steigt bei Bertelsmann aus. Ein Nachfolger ist in Sicht.
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DÜSSELDORF. Öffentliche Auftritte in Deutschland sind Peter Olson zuwider. Bei der Konzernpressekonferenz im Berliner Luxus-Hotel Hyatt im März starrte der 58-jährige Chef des weltgrößten Buchkonzerns Random House mit gefrorenem Gesicht ins Leere. Die Distanz zwischen ihm und dem Rest des Saales hätte nicht größer sein können.

Nächstes Jahr wird der Harvard-Absolvent bei der ungeliebten Zahlenpräsentation nicht mehr dabei sein. Olson, der seit über sieben Jahren dem Vorstand des Random-House-Mutterkonzerns Bertelsmann angehört, plant laut US-Medien seinen Ausstieg.

Aus Unternehmenskreisen ist zu hören, der einflussreiche Verleger habe andere private Pläne. Bertelsmann wollte eine baldige Trennung von Olson nicht kommentieren. Doch offenbar weint der neue Bertelsmann-Chef Hartmut Ostrowski dem Amerikaner mit den hervorragenden Deutschkenntnissen keine Träne nach.

Denn Olsons Zahlen enttäuschten zuletzt. Bei einem Umsatz von 1,84 Mrd. Euro erzielte der Konzern, der jährlich mehr als eine halbe Milliarde Bücher verkauft, nur einen operativen Betriebsgewinn von 173 Mill. Euro. Das ist zu wenig, wenn Ostrowski seine ehrgeizigen Renditen erreichen will, die er den Eigentümern Liz und Reinhard Mohn versprochen hat.

In Gütersloh ist Olson, der einzige Amerikaner im Vorstand, nie richtig angekommen. Aus seiner intellektuellen Überlegenheit machte er keinen Hehl. Zum einen beherrscht der Jurist und Betriebswirt das Handwerkszeug des Managers, zum anderen ist er ein äußerst belesener Verleger mit exzellenten Kontakten zu Autoren.

Olson ist vielleicht der einzige Weltbürger in einem Medienkonzern, der seine ostwestfälischen Wurzeln sehr wichtig nimmt. Schon als Student zog es ihn zum Höhepunkt der Flower-Power-Zeit 1968 nach München. Später machte er seinen Abschluss an der Harvard Law und Harvard Business School. Ab 1979 arbeitete er neun Jahre für die Dresdner Bank in Deutschland und Japan.

Olson gilt in der Branche als harter Knochen. Mitarbeiter zu entlassen kostet ihn kein langes Kopfzerbrechen. Das bekam zuletzt auch die hochangesehene Verlegerin Ann Godoff zu spüren. In nur zehn Minuten feuerte Olson die New Yorker Verlagschefin.

In Verlagskreisen wird bereits fleißig über seine Nachfolge spekuliert. Eine Entscheidung ist offenbar noch nicht gefallen. Als Favorit gilt Jörg Pfuhl, der lautlos-effektive Deutschland-Chef von Random House.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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