Online-Spiele
Sevenload-Gründer Evsan plant ein Start-up

Sevenload-Gründer Ibrahim Evsan plant ein Start-up für Online-Spiele

KÖLN. Alles ist wieder so wie früher: Ibrahim Evsan sitzt in seiner Köln-Ehrenfelder Wohnung am Küchentisch, mit heißem Tee, einem guten Kumpel - und einer Menge Ideen. Der 34-jährige Internetpionier hat endlich wieder Zeit dafür. Evsan tritt bei seinem Videoportal Sevenload kürzer, er ist Anfang Oktober von der Geschäftsführung in den Beirat gewechselt. Nur seine Anteile behält er. Nach vier Jahren an der Spitze habe er das Gefühl gehabt: "Das Baby kann ich jetzt abgeben."

Er hat nun ein neues. Mit seinem langjährigen Partner Thomas Bachem will Evsan den Online-Spielemarkt aufmischen: "Social Gaming, das vernetzte Spielen übers Internet, wird das neue große Ding", sagt Evsan. Gespräche mit Investoren laufen schon, eine einstellige Millionensumme will er für das neue Projekt haben. United Prototype soll sein neues Baby heißen.

Das alte hat längst laufen gelernt: Noch bevor Youtube richtig einschlägt, entwickelt Evsan 2005 in einer neunmonatigen Programmierorgie die Videoplattform Sevenload. Mit viel Pizza, wenig Rasieren und vollem Risiko. "Es war", sagt Evsan heute, "die beste Zeit meines Lebens."

Auf dem Portal kann man Videos in einen Vermarktungskanal hochladen, für den die Plattform Werbung vermittelt. Inzwischen setze Sevenload siebenstellige Summen um, sagt Evsan. Etablierte Konzerne wie der Venture Fund der Telekom und Burdas DLD Ventures haben sich beteiligt. Das Unternehmen beschäftigt 75 Mitarbeiter in einer Kölner Loft-Etage. Jetzt, da es laufe, sagt Evsan, sei der richtige Zeitpunkt, noch einmal etwas Neues auszuprobieren.

Nach Meinung von Experten hat er gute Chancen, auch damit erfolgreich zu sein.

"Evsan ist schon früher unkonventionelle Wege gegangen", sagt Florian Koch, zuständig für Digitale Medien beim Branchenverband Bitkom. Wieder einmal beweise er ein gutes Gespür für Trends: "Online-Spiele sind ein Wachstumsmarkt. Deutschland sollte da seine führende Rolle ausbauen", sagt Koch.

Der Verkauf von Sevenload-Anteilen hat Evsan zu einem wohlhabenden Mann gemacht. Trotzdem behält er Bodenhaftung. "Der Ibo" will er genannt werden. Der verschrammte Laptop, mit dem er Sevenload programmierte, steht immer noch als Denkmal in Evsans rot illuminiertem Büro.

Der Sohn türkischer Einwanderer, in Warendorf aufgewachsen, hat sich alles ohne Studium, Vitamin B und gegen die Skepsis der Eltern erarbeitet. Nach einer kurzen Episode als Versicherungsvertreter und Verpacker wird er Werbekaufmann. In den 90er-Jahren beginnt dann das, was Evsan seine Internetsucht nennt.

Neugierig ist er geblieben, bis heute. Evsan hält Vorträge, bloggt, twittert und schreibt Bücher. Er kommt sanft daher, mit einem - für einen Mann seiner Statur - überraschend flüchtigen Händedruck. Doch wenn es um seine Botschaft geht - Nehmt das Internet ernst! - wird er schnell energisch. Das klingt dann so: "Das Internet ist nicht mehr nur Websites, sondern ein brutales Medien-Aggregationssystem. Wer das nicht versteht, wird in der medialen Zukunft nicht bestehen."

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