Opel-Rettung
Jaap Timmer: Aus dem Ruhestand in den Aufsichtsrat

Mit 69 Jahren könnte man sich eigentlich zur Ruhe setzen. Jaap Timmer hatte sich das auch so gedacht. Doch die Krise hat alle Ruhestandspläne des Niederländers zunichte gemacht. Die Opelhändler wollen sich am Rüsselsheimer Konzern beteiligen und nun soll Timmer, Chef des Opel-Händlerverbandes Euroda, den Rüsselsheimer Hersteller retten.

WIEN. „Den eigenen Betrieb hat mein Sohn übernommen“, erzählt der Niederländer aus Assen, einer mittelgroßen Stadt südlich von Groningen. Er wollte sich nur noch ein wenig um die Verbandsarbeit kümmern, deshalb hat er den Vorsitz der Vereinigung europäischer Opel-Händler Euroda übernommen. Eine tendenziell gemütliche Aufgabe, genau das Richtige im Alter.

Doch die Krise macht alles anders. Auch Jaap Timmer muss seine Pläne gehörig ändern. Ende vergangener Woche haben die 4 000 europäischen Opel-Händler auf einem Treffen in Wien beschlossen, dass sie sich mit 500 Mio. Euro am Rüsselsheimer Automobilhersteller beteiligen würden – nach einer Trennung vom amerikanischen Mutterkonzern General Motors (GM).

Jaap Timmer, ein elegant wirkender älterer Herr im feinen Nadelstreifenanzug und mit adrett nach hinten gekämmten Haaren, hat auch schon ganz konkrete Vorstellungen, wie die Zusammenarbeit der Händler mit einem von GM unabhängigen Hersteller Opel aussehen soll. Euroda fordert für seine Beteiligung mindestens einen Sitz im neuen Aufsichtsrat. Und innerhalb des Verbandes ist klar, wer diesen Posten bekommen würde – der Vorsitzende natürlich.

„Die Kollegen wollen mich einfach nicht gehen lassen“, scherzt Timmer über seine Freunde im Händlerverband. Ein ruhiger Job im Alter hat natürlich seine Vorzüge. Aber es ist auch schön, wenn man noch gebraucht wird. Wahrscheinlich ist Timmer der richtige Mann an der Spitze des Verbandes. Als Niederländer ist er neutraler als die Deutschen, die den Verband allein schon aufgrund ihrer großen Zahl schnell dominieren könnten. Und außerdem spricht er fließend Deutsch und Englisch – gute Voraussetzungen für künftige Aufgaben in und um Rüsselsheim.

Opel-Vertriebsvorstand Alain Visser schätzt die Durchsetzungskraft des obersten Opel-Händlers. „Er hält in der Krise zu uns. Es kann keine bessere Grundlage für die weitere Zusammenarbeit geben“, sagt der Belgier über den Niederländer.

Entschieden ist allerdings noch überhaupt nichts. Bis heute haben potenzielle Investoren Zeit, ihre Sanierungskonzepte für Opel bei der Bundesregierung in Berlin abzugeben. Danach könnte es schnell gehen: General Motors hat bereits angedeutet, dass die Trennung von Opel bis zum Monatsende beschlossene Sache sein soll. Fiat und der kanadisch-österreichische Zulieferkonzern Magna sind die letzten beiden ernsthaften Bewerber für Opel.

Von Magna kommen erste Signale, dass der Konzern die Opel-Händler sofort mit in das neue Unternehmen aufnehmen würde. Fiat hat sich bislang nicht klar geäußert. Jaap Timmer darf sich in der Öffentlichkeit derzeit zwar noch nicht festlegen, welchen Bieter er bevorzugen würde. Seine Präferenz sollte aber ziemlich eindeutig sein: Fiat hat bereits ein Händlernetz, Magna nicht.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie
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