Oracle
Larry Ellisons Thronerbin

Der Softwarekonzern Oracle tauscht zum dritten Mal in diesem Jahr den CFO. Greg Maffei tritt ab und macht Safra Catz Platz. Es ist die Wunschkandidatin von Konzernchef Larry Ellison, und sie kann sich berechtigte Hoffnungen machen, ihn einst zu beerben.

FRANKFURT. "Falls ich morgen tot umfallen sollte, wäre Safra Catz CEO von Oracle." Mit diesem Satz hatte Oracle-Chef Larry Ellison die 43-jährige Managerin im September auf einer Hausmesse des Softwarekonzerns öffentlich zur Thronerbin gekürt.

Genau zugehört haben dürfte ihm dabei auch der nur wenige Wochen zuvor ernannte Oracle-Finanzchef Greg Maffei. Der 45-Jährige, der von 1997 bis 2000 Finanzchef von Microsoft war, hatte sich Chancen auf den Chefsessel des auf Datenbanken und Unternehmenssoftware spezialisierten Konzerns ausgerechnet.

Daraus wird nichts. Ende vergangener Woche gab Maffei den Machtkampf verloren. Er räumt zum 15. November – nach nur vier Monaten – seinen Posten, um, wie es Oracle-Chef Ellison formuliert, „eine großartige neue berufliche Chance zu ergreifen“. Nur Stunden nach Maffeis Rücktritt kündigte Ellison an, dass seine Wunschkandidatin Safra Catz dessen Nachfolgerin werde.

Damit tauscht Oracle zum dritten Mal innerhalb von zwölf Monaten den CFO aus. Erst im März hatte Finanzchef Harry You das Unternehmen nach nur acht Monaten als CFO verlassen, um Chef der Unternehmensberatung Bearing Point zu werden.

Ein Grund dafür scheint das Gerangel um die Gunst und die Nachfolge von Oracle-Chef Ellison zu sein. Offensichtlich kam es bereits seit dem Einstieg von Maffei zu Spannungen in der Führungsriege des nach Microsoft und IBM drittgrößten Softwareherstellers der Welt. Die besteht unterhalb von Gründer und CEO Ellison aus dem Finanzchef, zukünftig Safra Catz, die auch das operative Geschäft leiten soll, sowie Chuck Phillips, der die aggressive Akquisitionsstrategie des Konzerns anführt.

So kaufte das Unternehmen mit Sitz im Silicon Valley unter anderem den Wettbewerber Peoplesoft für mehr als zehn Milliarden Dollar sowie vor kurzem Siebel für knapp sechs Milliarden Dollar.

Safra Catz gilt als engste Vertraute von Ellison und hatte bereits nach dem überraschenden Weggang von You schon einmal die Aufgaben des CFO kommissarisch übernommen. Nun soll sie diese dauerhaft übernehmen. Mit dieser zusätzlichen Führungsfunktion stellt Ellison noch eine Weiche mehr, um Catz als seine Nachfolgerin aufzubauen, sollte er sich eines Tages aus dem operativen Geschäft zurückziehen. Immerhin leitet Ellison den Softwarekonzern mittlerweile seit 28 Jahren.

Sollte sich der Multimilliardär zurückziehen, würden in der Führung des schärfsten Wettbewerbers des deutschen Softwarekonzerns SAP Investmentbanker den Ton angeben. Während Phillips bis zu seinem Einstieg bei Oracle bei der Investmentbank Morgan Stanley tätig war, blickt Catz auf eine langjährige Karriere bei Investmentbanken wie Donaldson, Lufkin & Jenrette sowie der Credit Suisse First Boston zurück.

1999 wechselte sie zu Oracle und hat dort mittlerweile länger als die meisten Oracle-Manager mit Ellison im Vorstand zusammengearbeitet. Selbst die mitunter als großspurig empfundene Art des Oracle-Chefs hat Catz längst verinnerlicht. Als sie bei einer Diskussion über Frauen in Hochtechnologiebranchen nach ihrem Erfolgsrezept gefragt wurde, antwortete Safra Catz: „Man muss besser sein, härter und länger arbeiten und lauter schreien.“

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