Ortsunkundigkeit reicht als Rechtfertigung nicht: Rotlichtsünder vor Gericht nicht chancenlos

Ortsunkundigkeit reicht als Rechtfertigung nicht
Rotlichtsünder vor Gericht nicht chancenlos

Wer im Kreuzungsbereich mit seinem PKW einen Verkehrsunfall verursacht, weil er das Rotlicht einer Ampel übersehen hat, kann mit einem blauen Auge davon kommen. Die stereotype Begründung der Vollkaskoversicherung, nicht für den Schaden aufkommen zu müssen, weil der Fahrer grob fahrlässig gehandelt habe, zieht nämlich nicht immer.

HB/crz GARMISCH. So hat etwa das Landgericht (LG) Köln jetzt für einen Versicherungsnehmer Verständnis gezeigt, der an einer Kreuzung zunächst bei Rot anhielt und dann in der irrigen Annahme, die Ampel habe auf Grün umgeschaltet, wieder angefahren war.

Dazu trug der Kläger, der zum Unfallzeitpunkt mit seinem 12-jährigen Sohn unterwegs war, vor, er habe zunächst wegen des Rotlichts der Ampel angehalten, sei dann aber durch Sonnenlichteinstrahlung auf die Ampel irritiert gewesen. Zudem habe hinter ihm ein Autofahrer gehupt und es sei die einige Meter hinter dem Kreuzungsbereich postierte weitere Ampel bereits auf Grün umgeschlagen. Daher sei er in der irrigen Ansicht, er habe Grünlicht, in den Kreuzungsbereich eingefahren.

Die Richter ließen offen, ob bereits die Sonneneinstrahlung und die weitere Ampelanlage das Verschulden des Klägers abgeschwächt haben. Entscheidend sei, dass der Kläger unbestritten vorgetragen habe, zunächst an der für ihn maßgeblichen Ampel angehalten zu haben. Dies lasse den Vorwurf der groben Fahrlässigkeit entfallen. Und weil der Kläger seinen Sohn mit dabei hatte, gingen die Richter davon aus, dass der Kläger nicht völlig sorglos dahergefahren sei.

Als nicht entlastend erachtet hingegen das Oberlandesgericht Rostock, wenn ein Fahrer wegen fehlender Fahrpraxis im Großstadtverkehr und zusätzlicher Ortsunkenntnis mit der Verkehrssituation überfordert ist. In dem Fall hatte die Beifahrerin den Fahrer im dicksten Straßenverkehr an einer Kreuzung plötzlich nach rechts beordert. Die Überforderung sei selbst verschuldet, meinten die Richter. Der Fahrer hätte unter Beachtung des Rotlichts erst in die falsche Richtung fahren müssen, um sich dann später stressfrei neu zu orientieren.

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