Osamu Suzuki
Suzukis weiser Autovater

Er ist 79 Jahre alt, fit, geizig und erfolgreich - Osamu Suzuki führt den Autohersteller gleichen Namens seit 1978. Jetzt ist er Partner von VW. Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piech trifft auf ein ebenbürtiges, japanisches Urgestein.
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TOKIO. Der Patriarch ist 79 Jahre alt, aber fit wie eh und je. Osamu Suzuki ist als Chairman, Firmenchef und Anteilseigner die weiterhin bestimmende Figur bei dem japanischen Autohersteller Suzuki, in den VW in großem Stil einsteigt. Mit Osamu Suzuki haben die Wolfsburger einen einzigartigen Geschäftspartner gewonnen - ein Urgestein fernöstlicher Wirtschaftsgeschichte, konsequent japanisch und zugleich konsequent international.

Wenn die Deutschen mit ihrem neuen Partner gut zurecht kommen wollen, müssen sie Suzuki sympathisch sein: Er legt großen Wert auf persönliche Beziehungen. Eine langjährige Kooperation seines Unternehmens mit dem US-Hersteller General Motors war im Wesentlichen von seiner Freundschaft zu Spitzenmanagern des Detroiter Konzerns getragen. Als die alte Truppe nach der Insolvenz der Amerikaner gehen musste, verlor Suzuki das Interesse an der Zusammenarbeit. Er hatte Ex-Chef Richard Wagoner regelmäßig zuhause besucht. "Ich habe die Beziehungen 25 Jahre lang aufrecht erhalten", sagte Suzuki. Die gute Kooperation zwischen den Firmen habe vor allem an der Bindung zwischen dem Chef und den US-Managern gelegen, bestätigen

Suzuki gilt als begnadeter Netzwerker. Er hieß ursprünglich Matsuda, heiratete 1958 in die Autofamilie Suzuki ein und nahm deren Namen an. Sein Schwiegervater, der damalige Firmenchef, holte den Juristen und Banker sofort ins Unternehmen. Zehn Jahre später saß er im Vorstand. Doch sein Fortkommen lag nicht nur an den Familienbanden: Suzuki zeigte ein echtes Händchen fürs Autogeschäft. Nachdem sein Unternehmen die Verschärfung der japanischen Abgasnormen erst verschlafen hatte, organisierte er bereits in den 70er-Jahre eine Offensive mit besonders Sprit sparenden Modellen, die sich als Verkaufsrenner erwiesen.

Ebenfalls in dieser Zeit trieb er die Expansion nach Indien voran. In zahlreichen Gesprächen mit der damals noch eher sozialistisch eingestellten indischen Regierung machte er 1981 die Gründung des Gemeinschaftsunternehmens Maruti Suzuki India möglich, dem heute das Interesse von Volkswagen gilt. Seitdem hat sich Maruti Suzuki zum größten Autohersteller in Südasien entwickelt.

Um über das Asien-Engagement nicht das Geschäft mit den entwickelten Märkten zu vernachlässigen, streckte er seine Fühler auch in die andere Richtung aus - über den Pazifik, in die USA. Ebenfalls 1981 verhandelte er einen fünfprozentigen Kapitaleinstieg des Weltmarktführers GM in seinem Unternehmen - die kleineren Wettbewerber kamen für ihn gar nicht in Frage. Als ein Reporter Suzuki mit einem kleinen Fisch verglich, der nun wohl bald vom Wal GM geschluckt werde, hielt er dagegen: "Wir sind eher so eine Art Moskito, das im Nu hoch in die Luft wegfliegen kann und bestimmt nicht von irgend jemandem geschluckt wird."

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