Otto Happel
Otto Happel verlässt Conergy

Otto Happel kehrt Conergy den Rücken. Der milliardenschwere Investor zieht damit die Konsequenzen aus den desaströsen Zahlen des angeschlagenen Solar-Spezialisten. Doch ein Verdacht trifft das Unternehmen noch härter: Vorstandsmitglieder sollen die Bilanz manipuliert haben.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. Die Sonne scheint angenehm an diesem Juni-Tag im Jahr 2008. Drinnen, in den Messe-Hallen, ist die Stimmung blendend. Es ist das erste Treffen der Solar-Branche in München. Gerade ist die „Intersolar“ von Freiburg in die bayerische Metropole umgezogen. Harmonie pur auch am Stand von Conergy. „Ich bin zufrieden mit der Entwicklung des Unternehmens“, sagt der kräftig gebaute Mann. Es ist Otto Happel. Im Herbst 2007 war er, der streitbare Milliardär und Unternehmer, beim schon damals schwer angeschlagenen Solar-Spezialisten eingestiegen, kurz vor den Hexal-Gründern Andreas und Thomas Strüngmann. Es war die Rettung in höchster finanzieller Not.

Oder vielleicht doch nicht? Seit kurzem ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen frühere Manager und den aktuellen Chef Dieter Ammer wegen des Verdachts der Bilanzmanipulation und des Insiderhandels. Und wie es aussieht, hat auch Happel mittlerweile der Zweifel gepackt. Vor wenigen Tagen hat er sein Engagement beim einstigen Star der Branche reduziert. Nur noch bescheidene 2,9 Prozent hält der 61-Jährige an Conergy. Noch vor wenigen Monaten zählte er mit gut 14 Prozent zu den größten Anteilseignern.

Schon im Mai hatte Happel seinen Anteil auf 9,26 Prozent abgesenkt. Zwar sind es nicht nur reine Aktien, die Happel abgegeben hat. Angeblich sollen auch Optionen dabei gewesen sein, die er hat verfallen lassen, die ihm aber bis dahin nach Börsenvorschrift zuzurechnen waren. Doch dass dieses Engagement bisher eines mit Verlust war, steht so gut wie fest. Auch wenn Happel sich gestern nicht zum Ausstieg äußern wollte.

Doch Happel wäre nicht Happel, wenn er diesen Rückschlag nicht verkraften würde, erst recht finanziell. Auf rund 2,5 Mrd. Euro wird sein Vermögen geschätzt, das Conergy-Engagement macht da nur einen Bruchteil aus. Happel hat früh gelernt, sich durchzusetzen, Zähigkeit zu beweisen. Mit gerade einmal 28 Jahren muss der Ingenieur den elterlichen Betrieb übernehmen, die Gea, einen Lieferanten von Filteranlagen für elektrische Maschinen. Die Mutter, die das Geschäft nach dem Tod des Vaters führte, war schwer erkrankt. Es ist für Happel das Sprungbrett seiner unternehmerischen Karriere. Über Jahre baut er Gea zu einem weltweit führenden Systemlieferanten für Spezialmaschinen aus. Noch heute beherrscht Happel die Kennzahlen aus dem Effeff. „Eine Umsatzsteigerung von jährlich 15 Prozent von 125 Millionen auf 2,5 Milliarden Euro, die Verzinsung des Eigenkapitals bei mindestens 15 Prozent nach Steuern, kaum Bankschulden“, berichtet Happel gerne bei passender Gelegenheit, und Stolz schwingt mit.

1999 verkauft er Gea an die Metallgesellschaft (MG Technologies), der Beginn einer jahrelangen Fehde mit dessen Chef Kajo Neukirchen. Bis aufs Messer bekriegen sich die beiden, Vorwürfe von Bilanzkosmetik machen die Runde. Er habe Angst gehabt, dass die MG „an die Wand gefahren“ werde, sagt Happel später. 2003 schließlich gibt Neukirchen auf. Doch auch mit Nachfolger Udo Stark, von Happel und seinem Segel-Freund Jürgen Heraeus ausgewählt, gibt es bald Streit. Wieder gewinnt Happel. Am Ende wird die MG auf die Gea verschmolzen, der Sitz von Frankfurt nach Bochum verlagert.

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