Otto Kentzler wird neuer Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks
Der Klempner auf der Baustelle

Er ist schon als Erscheinung stattlich. Wenn Otto Kentzler ein Zimmer betritt, dann schafft seine bloße Präsenz Respekt. Und wenn er seinem Gegenüber dann noch die Hand drückt, spürt man die buchstäblich zupackende Art des gelernten Klempners.

DORTMUND. Heute wird der Mann mit der hohen Stirn und der tiefen Stimme von der Zentralversammlung des Deutschen Handwerks (ZDH) zum neuen Präsidenten gewählt. Denn für die Spitzenposition des Dachverbands aller Meister und Gesellen steht nur er zur Wahl. Kentzler, der 63 Jahre alte Unternehmer aus Dortmund und Präsident der dortigen Handwerkskammer, wird Nachfolger von Dieter Philipp. Das ist in jedem Fall eine Zäsur für die Handwerker. Der Rheinländer Philipp hat den einflussreichen Wirtschaftsverband über drei Amtszeiten geführt. Auf den Maler- und Lackiermeister aus Aachen folgt ein Klempner und studierter Maschinenbauer aus dem Westfälischen.

„Ich bin von mehreren Seiten gebeten worden“, antwortet Kentzler regelmäßig auf die Frage, warum er mit 63 noch an die Spitze des Handwerksverbands will. Dahinter steckt ein wenig Understatement: Denn Kentzler kommt als eine Art Sanierer, der Spitzenverband ist in keiner guten finanziellen Verfassung.

Kentzlers Aufstieg ist eng mit einem millionenschweren Debakel verbunden, das der bisherigen Handwerksführung bei einem unternehmerischen Ausflug in die „New Economy“ unterlief – der Dortmunder war zwei Jahre lang Vorsitzender des ZDH-Haushaltsausschusses und damit maßgeblich an der Sanierung des Verbands beteiligt. Der ZDH hatte sich mit handwerk.de ein Internetprojekt geleistet, das ihn am Ende 8,7 Millionen Euro kostete und Pleite ging. „Diese Baustelle ist jetzt abgeschlossen“, verkündet Kentzler vor seiner Wahl selbstbewusst.

Die gründliche Aufräumarbeit hat im Handwerk seinen Ruf gefestigt, ein entschlossener Sanierer zu sein. Auch deshalb hat sich der 1,96 Meter große Westfale intern durchgesetzt. Mit dem Gedanken an eine Kandidatur für das Spitzenamt hatten zuvor auch der Hamburger Kammerpräsident Peter Becker und der Münchener Amtskollege Heinrich Traublinger gespielt. Becker hatte allerdings bereits im Vorfeld seinen Verzicht erklärt und Kentzler Unterstützung zugesagt.

Auch Zweifler und potenzielle Widersacher will Kentzler in die Verbandsarbeit einbinden. Eine Grundlage dafür gibt ihm auch die neue Satzung an die Hand, die von den Vollversammlungen der Handwerksorganisation im September beschlossen worden war. Danach steht dem Präsidenten künftig ein neu geordnetes geschäftsführendes Präsidium zur Seite, das enger an die Basis angebunden ist – die Zwischenebene des so genannten Handwerksrats wurde aus der Organisationshierarchie gestrichen. Mit der neuen Struktur verbinde sich „die große Chance, dass die Arbeit künftig auf breiteren Schultern ruht“, umreißt Kentzler, wie er sich die Grundlage schlagkräftiger Interessenvertretung vorstellt.

Der Dortmunder spricht als langjähriger Funktionär die Sprache des Handwerks und hat auch durch sein joviales Auftreten viel Unterstützung in den Gremien des Verbandes. Seit 1994 ist er Präsident der Dortmunder Handwerkskammer, seit 1998 Präsidiumsmitglied im ZDH. In Dortmund führt er gemeinsam mit seinem Sohn Heiko die 1872 gegründete Dachdeckerfirma Kentzler mit 47 Mitarbeitern in fünfter Generation. Im Zentralverband wird mit dem bodenständigen Westfalen, der in seiner Freizeit am liebsten auf die Jagd geht, mehr als nur ein neuer Ton einziehen. Musste sich CDU-Mitglied Philipp oft mit dem Vorwurf auseinander setzen, er unterstütze im Berliner Politikbetrieb einseitig die Sache der Opposition, so gilt Kentzler als politisch unabhängiger. Ein Parteibuch hat er nicht. Zugleich, so lässt er wissen, wolle er mehr nach innen wirken. Nach außen hin werde er vor allem für die Inhalte des Handwerks werben, so für den Erhalt des Meisterbriefs.

Ob er damit allerdings ein gutes Verhältnis zu Generalsekretär Hans-Eberhard Schleyer schaffen wird, ist noch fraglich. Denn eines sollte man nicht: Kentzler Machtbewusstsein unterschätzen. Er dürfte den Spielraum des unter Phillip so mächtigen „Generals“ erheblich einengen. Dafür spricht nicht nur eine Episode aus der Dortmund Kammer: Als dort im August 2004 der neue Hauptgeschäftsführer – der Funktion nach einem Generalsekretär vergleichbar – frisch gewählt war, ließ Kentzler ihn schnell wissen, wer das Sagen hat. In einem Zeitungsinterview erklärte der Präsident, Aufgabe eines Hauptgeschäftsführers sei es, die Vorgaben seines Chefs umzusetzen.

Vita

1941 wird er in Dortmund geboren.
1987 tritt er nach Abitur, Klempnerlehre und Studium des Maschinenbaus als geschäftsführender Gesellschafter ins 1872 gegründete Familienunternehmen Kentzler Dach und Wand in Dortmund ein.
1989 wird er Obermeister der Innung Sanitär und Heizung für Dortmund und Lünen.
1994 wird er zum Präsidenten der Handwerkskammer Dortmund gewählt.
1998 tritt er ins Präsidium des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH) ein.
2000 wird Kentzler zum Vorsitzenden des Kuratoriums des Erzbistums Paderborn gewählt.
2003 rückt er an die Spitze des Haushaltsausschusses des ZDH und wird ein Jahr später Aufsichtsratschef der Verlagsanstalt Handwerk GmbH.

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