Outsourcing-Markt wird weiter überdurchschnittliches Wachstum erzielen
IT-Anbieter und Kunden setzen stärker auf enge Partnerschaften

Der deutsche Outsourcing-Markt ist im vergangenen Jahr kräftig gewachsen. Nach Berechnungen des Beratungsunternehmens TPI lag der Gesamtwert der unterzeichneten Auslagerungs-Verträge 2004 bei neun Mrd. US-Dollar – ein Plus von 221 Prozent gegenüber 2003.

DÜSSELDORF. Die Sorge vor dem Kontrollverlust, die Manager lange davon abhielt, ihre Computersysteme in fremde Hände zu geben, hat sich verflüchtigt. 87 Prozent der Unternehmen geben einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zufolge IT-Dienstleistungen wie Systembetreuung, Wartung der Hardware, Software-Programmierung oder Anwenderunterstützung aus der Hand.

Zum Zuge kommen dabei in erster Linie inländische Anbieter. 94 Prozent der Firmen setzen laut ZEW auf Dienstleister aus Deutschland. Auch ohne Konkurrenz aus Übersee hat sich der Wettbewerb verschärft. Zwar soll das Wachstum für Outsourcing-Dienste nach einer Studie von Lünendonk und Tech-Consult auch 2005 deutlich über dem Wachstum des ITK-Gesamtmarktes liegen. Doch einen großen Anteil des Zuwachses verdanken vor allem die fünf größten Anbieter in Deutschland – T-Systems, Siemens Business Services (SBS), IBM, Hewlett-Packard (HP) und Atos Origin – bestehenden Kunden, die ihre Outsourcing-Aktivitäten ausweiten.

Während in den letzten Jahren viele Projekte vor allem angeschoben wurden, um die Budgets zu entlasten, steht dabei wieder häufiger der strategische Umbau der eigenen Organisation im Vordergrund. „Sparen allein ist keine Strategie“, sagt Friedrich Wöbeking, der Chief Information Technology Officer der Dresdner Bank. Der Banker muss bis Ende 2005 mit rund 500 Mill. Euro weniger auskommen, so die Vorgabe des Dresdner-Eigners Allianz. Der Manager nutzt jetzt die Gelegenheit, um bestimmte Leistungen auszulagern und für andere seine eigene Abteilung organisatorisch völlig neu aufzustellen.

Von einem einzigen Dienstleistungspartner will sich Wöbeking aber nicht abhängig machen. Um den Zahlungsverkehr der Dresdner und um die Wertpapierabwicklung kümmert sich die Postbank, IBM betreut die Finanzmarktdaten. Die Wertpapierverwahrung geht an die Deutsche Wertpapierservice Bank AG. Die Agis GmbH, in der die IT-Töchter von Allianz und Dresdner verschmolzen sind, übernimmt den Betrieb der Basis-IT.

In den Jahren zuvor hatten die Dienstleister vor allem davon profitiert, dass ihnen die Kunden ihre gesamte IT-Infrastruktur übergaben. Doch einige Großprojekte machten Negativschlagzeilen, weil die eingekaufte Leistung nicht stimmte oder die Kosten astronomische Höhen erreichten. So stoppte Daimler-Chrysler ein Projekt, bei dem HP weltweit für die Betreuung der Desktop-Computer der Autobauer verantwortlich sein sollte. Und die DVB Bank AG in Frankfurt, die 2001 ihre komplette IT ausgelagert hatte, kündigte ihren auf sechs Jahre angelegten Outsourcing-Vertrag im November 2004. Sie hatte sich in kurzer Zeit von einem Universalanbieter von Finanzdienstleistungen zu einem Spezialisten für die Transportfinanzierung gewandelt. Doch der Dienstleister war nicht in der Lage, das neue Geschäftsmodell im Rahmen der alten Verträge ausreichend zu unterstützen, die Kosten explodierten.

Zwar gehen nun die Volumina der einzelnen Verträge zurück. Doch Anwender und Dienstleister verzahnen sich stärker als bisher. Kunde und Anbieter wachsen dabei in der Regel langsam zusammen, erläutert Oliver Schwarz, General Manager Deutschland für den Infrastruktur-Bereich beim IT-Dienstleister Unisys. „Wir werden vom reinen Dienstleister zunehmend zum Partner. Ein Großteil des Geschäfts kommt heute von den gleichen Kunden wie vor fünf Jahren.“

Unisys hat sich als Service-Anbieter auf bestimmte Branchen spezialisiert. Der Dienstleister entwickelt und pflegt Redaktionssysteme für Medienunternehmen oder Buchungs- und Reservierungslösungen für Luftfahrtunternehmen. Es sei günstig, dass man auf diese Weise zunehmend geschäftskritische Systeme betreuen dürfe, so Schwarz. „Wenn es unruhiges Fahrwasser gibt, schaut man gemeinsam wie man raus kommt, statt gleich über einen Wechsel nachzudenken.“ Eine Alternative zur Kooperation haben Kunden in so einem Fall ohnehin kaum noch. Je enger sie mit einem Anbieter verzahnt sind, desto schwerer fällt der Umzug zu einem anderen Dienstleister.

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