Patrick Cescau
Gegen die Abwärtsspirale

Patrick Cescau greift radikal durch, um dem Konsumgüterkonzern Unilever zu neuer Schlagkraft zu verhelfen – und hat es schwer, alle zu überzeugen.

LONDON. Ein Mann für große Reden ist Patrick Cescau nicht. Auf der Halbjahres-Präsentation am vergangenen Donnerstag hält er sich am Rednerpult fest, blickt alle paar Sekunden auf sein Blatt und spricht gleichförmig. Eher Finanzmann als Verkäufer ist der Chef von Unilever, einem der großen Konsumgüterkonzerne der Welt, das spürt man.

Doch man spürt auch eine neue Entschlossenheit. Wirkte der Franzose mit dem gut frisierten grauen Haar bei der Jahrespressekonferenz im Februar fast schon mutlos und entschuldigend, zeigt er jetzt eine neue Entschlossenheit. Bei der Fragerunde geht er auf und ab und gestikuliert lebhaft. Was er den Analysten und Journalisten erläutert, ist ein mutiger Umstrukturierungsplan, um die Renditelücke zu den Rivalen Nestlé und Procter & Gamble zu schließen.

Und es gelingt ihm endlich einmal, die Börse zufriedenzustellen. Die Unilever-Aktie springt am Donnerstag in die Höhe. Endlich sei die Botschaft angekommen, frohlocken die Analysten. Kosten runter, Rendite rauf – so was hören sie gerne.

Auf die aufwendigen Sanierungsprogramme „Path to Growth“ und „One Unilever“ setzt Patrick Cescau, der seit zwei Jahren als Erster allein über das britisch-niederländische Konglomerat herrschen darf, noch ein neues, ehrgeiziges Programm drauf. Mehr Zentralisierung und Kostenkontrolle heißt die Devise: 20 000 Arbeitsplätze will er streichen, bis zu 50 Fabriken schließen, Landesgesellschaften zusammenlegen und das US-Waschmittelgeschäft verkaufen.

Doch nicht überall im Konzern macht sich Aufbruchstimmung breit. Seit fast acht Jahren strukturiert Unilever schon um, und viele Beschäftigte können das Wort Umstrukturierung nicht mehr hören. „Wir befinden uns in einer Abwärtsspirale“, sagt Günter Baltes, Chef des europäischen Gesamtbetriebsrates. Statt erneut Stellen abzubauen, Fabriken zu schließen und Sparten zu verkaufen, müsse Cescau Ruhe reinbringen und mit Zukäufen in die Offensive gehen.

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