Patrick De Maeseneire, Konzernchef von Barry Callebaut
Der Vielseitige mit der süßen Seite

Für Patrick De Maeseneire, Konzernchef von Barry Callebaut, ist Schokolade ein ganz alltägliches Produkt. Sein Unternehmen ist der weltgrößter Produzent von Industrieschokolade – und nur in Fachkreisen bekannt. De Maeseneire ist ausdauernd und nicht übermütig. So mag ihn auch die Börse.

ZÜRICH. Leicht hat er’s nicht, aber wer hat das schon? Patrick De Maeseneire steht für eine Marke, deren Name nur in Fachkreisen einen Klang hat: Barry Callebaut, weltgrößter Produzent von Industrieschokolade. Das klingt irgendwie unappetitlich, aber meint nur, dass die Schokolade, die Barry Callebaut liefert, meistens weiterverarbeitet, garantiert aber unter einem anderen Markennamen verkauft wird.

De Maeseneire steht außerdem für ein Unternehmen, über dem wie Gottvater ein anderer, ungleich populärerer Manager schwebt: Klaus Jacobs, Unternehmer mit hanseatischen Wurzeln, hatte aus seinem Jacobs-Suchard-Imperium den Schokoladenproduzenten Callebaut behalten, als er 1990 den Großteil seines Unternehmens an Philip Morris verkaufte. Familienangehörige, die Bares sehen wollten, hatten ihn zum Verkauf gezwungen. Sechs Jahre später erwarb er Barry aus Frankreich, dann Stollwerck aus Deutschland und schließlich Brach’s aus den USA – fertig war das neue Schokoladenreich. De Maeseneire fing zu dieser Zeit gerade erst an, sich auch beruflich um die Schokoladen-Seiten des Lebens zu kümmern. Aus dem Schatten des Jacobs-Clans, der bis heute als Großaktionär die Geschicke des Unternehmens bestimmt, ist er nie herausgetreten.

Das bekümmert ihn nicht. Routiniert trägt der Belgier, den es in die Schweiz verschlagen hat und der damit die beiden wichtigsten Schokoladenländer der Welt in seiner Person vereinigt, sein Zahlenwerk vor. Hier gibt es mal ein Problem: etwa bei Brach’s in Amerika, einer Marke, von der er sich eher trennen will. Dort gibt es Erfolge, etwa bei Stollwerck in Deutschland, wo nach einigen Fabrikschließungen jetzt wieder schwarze Zahlen geschrieben werden. Alles schön ausgeglichen, alles schön unaufgeregt. Die Börse mag ihn dafür.

Dass es mit dem Umbau von Brach’s aus einer Zucker- in eine Schokoladenfabrik nichts wurde, belastet den Kurs kaum. „Kontinuität“ bescheinigt ihm ein Analyst, der im schmucklosen Raum eines umgebauten Züricher Industrieareals, wo Barry Callebaut seinen Sitz hat, den Zahlenkolonnen lauscht, die De Maeseneire anlässlich von Quartalsberichten wie aufgezogen abspulen kann. Kein Wunder, dass der Belgier erfolgreich Marathon trainiert. Ausdauer zählt zu seinen Stärken.

Sarotti ist eine Marke, die aus den deutschen Fabriken stammt. Viel Zeit und Geld hat Barry Callebaut investiert, um die Marke mit dem Mohren wieder glänzen zu lassen. Inzwischen hat De Maeseneire jedoch erkannt: „Wir haben weniger Kompetenzen im Endverbrauchergeschäft. Für Sarotti suchen wir zwar nicht aktiv nach einem Partner. Aber wenn sich einer findet, der mehr vom Markengeschäft versteht, sind wir einem Gespräch nicht abgeneigt.“

Wie die Zusammenarbeit mit dem Jacobs-Clan funktioniert? „Dass ich seit fünf Jahren das Unternehmen leite, ist ein Zeichen, dass sie funktioniert“, sagt De Maeseneire, lächelt äußerst verbindlich und zwinkert dabei nicht einmal. Ein bisschen mehr könnte er schon erzählen. Also gut: Jacobs senior und Sohn Andreas, der inzwischen als Verwaltungsratspräsident bei Barry Callebaut mitmischt, seien „äußerlich sehr ruhig und innerlich sehr ungeduldig“. „Sie akzeptieren höchstens einmal einen Fehler.“ Erfahren hat dies beispielsweise der ehemalige Chef des Zeitarbeit-Anbieters Adecco, eines Unternehmens, das ebenfalls zum Jacobs-Imperium gehört. Er musste gehen, als die Margen nicht besser wurden. Klaus Jacobs übernahm auf seine nicht mehr allerjüngsten Tage die Geschäfte bei Adecco.

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