Patrick Thomas
Hermès-Boss legt sich mit Investor an

Patrick Thomas erklärt Interessierten gerne und ausschweifend die Qualitätsprodukte seiner Luxusmarke. Doch der Hermès-Chef kann auch ganz anders. So zum Beispiel wenn ein anderer Konzern das Familienunternehmen anzutasten droht.
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PARIS. Hermès-Chef Patrick Thomas versteht es, für die Produkte des Pariser Luxushauses zu werben. Er lässt gern die Seide fühlen oder nimmt auch mal seine Armbanduhr ab, um die Verarbeitung zu erklären. Der 63-Jährige aus der Bourgogne stammende Winzersohn mit der strengen Brille trägt selbst die edlen Seidenkrawatten und sagt schwärmerisch: "Hermès ist kein Unternehmen, sondern eine Kultur der Kreativität."

Die möchte er gerne bewahren und schreckt dafür auch nicht vor offenem Streit zurück: Gestern forderte Thomas den Chef des französischen Luxusgüterkonzerns LVMH, Bernard Arnault, zu einem Rückzug aus Hermès auf. "Wenn Sie sich freundschaftlich verhalten wollen, Herr Arnault, dann ziehen Sie sich zurück", sagte Thomas der Zeitung "Le Figaro". LVMH hatte vor einer Woche seine Anteile bei Hermès auf 17,1 Prozent aufgestockt, aber gleichzeitig verkündet, man wolle nicht in die Unternehmensleitung eingreifen. Da die Geschäfte von Hermès glänzend laufen, gilt das Familienunternehmen mit einem derzeitigen Börsenwert von 16,3 Mrd. Euro schon seit langem als Übernahmekandidat.

Doch Thomas, der erste Chef, der nicht aus der Familie stammt, will das Familienunternehmen bewahren. Nachdem er Finanzchef beim Spirituosenimperium Pernod Ricard war, stieg er 1989 bei Hermès ein, organisierte das Unternehmen neu und leitet seit 2006 erfolgreich die Geschäfte. Dabei kann er sich auf den Rückhalt der Familie verlassen, die über 73 Prozent des Kapitals verfügt. Sein ehemaliger Mentor, Pernod-Chef Patrick Ricard, sagte über Thomas: "Er weiß, dass er das Erbe respektieren muss." Das soll nun auch für Arnault gelten.

Thomas warnt deshalb Arnault: "Hèrmes braucht absolut keine Hilfe. Wir werden unsere Kultur nicht ändern." Hèrmes laufe schließlich wesentlich besser als Arnaults Gruppe LVMH. Eine Machtübernahme sei ausgeschlossen: "Die Familie hält zusammen." Die Erben haben einen Aktionärspakt und verfügten zuletzt über 73 Prozent des Kapitals.

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