Paul Otellini
Der Mann, der Mut macht

Intel-Chef Paul Otellini hat den Chipriesen schon umgebaut, als sich der Rest der Welt noch über den Boom freute. Nun, in der Krise, profitiert er davon.

MÜNCHEN. Wahrscheinlich hat Paul Otellini den Herbst vor zwei Jahren bis heute nicht vergessen. Damals muss der Intel-Chef wochenlang massive Kritik von Investoren ertragen: Der Gewinn bricht ein, der Aktienkurs dümpelt vor sich hin, und der Umsatz sinkt. Sogar Erzrivale AMD kann den Abstand zum Chipriesen Intel verringern.

Wall-Street-Analyst Joe Osha wirft Otellini damals vor, er greife einfach nicht hart genug durch. Und er stellt die provokante Frage, die eine hitzige, öffentliche Diskussion auslöst: „Ist Otellini wirklich der richtige Mann an der Spitze des größten Halbleiterkonzerns der Welt?“

Heute lässt sich die Frage eindeutig mit „Ja“ beantworten, Otellini ist der richtige Mann.

Ironie des Schicksals: Intel liefert auch in der Finanzkrise hervorragende Zahlen ab. Die Investmentbank Merrill Lynch, die Otellini damals so heftig angriff, ist in den Turbulenzen hingegen längst untergegangen und gehört seit einigen Wochen zur Bank of America.

„Otellini hat das Unternehmen krisenfest gemacht“, sagt Hannes Schwaderer, Deutschland-Chef von Intel. Die jüngsten Quartalsergebnisse stützen diese Einschätzung. Der Gewinn des weltgrößten Chipherstellers ist im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um beeindruckende zwölf Prozent auf zwei Milliarden Dollar gestiegen. Das entspricht 35 Cent je Aktie. Analysten hatten nur mit 34 Cent gerechnet. Der Umsatz legte trotz der drohenden Weltwirtschaftskrise um ein Prozent auf 10,2 Milliarden Dollar zu.

Die guten Zahlen sind die Bestätigung dafür, dass auch ein Marketing-Experte Intel führen kann. Denn mit Otellini steht zum ersten Mal in der 40-jährigen Geschichte des Konzerns ein Mann an der Spitze, der nicht aus der technischen Abteilung kommt.

Doch der streng katholisch erzogene Kalifornier kennt Intel bestens. Seit über 30 Jahren arbeitet er für den Konzern. Der Wirtschaftswissenschaftler hat sich fast auf einem Dutzend verschiedener Positionen immer wieder für höhere Aufgaben empfohlen. Schon 1989 schnuppert der Mann mit dem wenig modischen Scheitel und den stets dunklen, unauffälligen Anzügen den Duft der Macht, als er Assistent des legendären Intel-Chefs Andrew Grove wird. Der fördert ihn später nach Kräften.

Seite 1:

Der Mann, der Mut macht

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%