Paul Polman
Im zweiten Anlauf an die Spitze

Paul Polman schaffte es nicht auf den Chefsessel des Nahrungsmittelriesen Nestlé. Nun wechselt er zum Konkurrenten Unilever – und muss bei der Nummer zwei des Weltmarkts eine Aufholjagd starten.

LONDON/FRANKFURT. Er sitzt auf dem Podium und schweigt. Wie alle anderen Vorstandskollegen neben ihm. Paul Polman darf nur dann, aber wirklich nur dann etwas sagen, wenn Konzernchef Peter Brabeck-Letmathe ihn bei der Jahrespressekonferenz von Nestlé dazu auffordert. Ansonsten ist er im Konferenzsaal der gläsernen Konzernzentrale in Vevey am Genfer See zum Schweigen verdonnert.

Das ist auf Dauer keine Rolle für einen Mann, der selbst etwas zu sagen haben will. Zu der Zeit ist Polman Finanzvorstand des weltgrößten Nahrungsmittelkonzerns – und der Kronprinz für den Chefposten. Doch weiter kommt er nicht. Stattdessen schafft es sein Konkurrent Paul Bulcke auf den Chefsessel. Und Polman muss sich mit der Rolle des Amerika-Chefs zufriedengeben.

Doch jetzt, im zweiten Anlauf, ist es so weit: Polman rückt an die Spitze, aber nicht bei Nestlé. Der großgewachsene Niederländer mit der hohen Stirn wird zum Jahresanfang neuer Chef von Unilever. Damit wechselt er vom Marktführer zum Verfolger. Sein Job ist also eine Aufholjagd: Der britisch-niederländische Nahrungs- und Waschmittelkonzern soll endlich den Abstand zu Nestlé verringern – vor allem, was die Rendite anbelangt.

Das ist seinem Vorgänger Patrick Cescau nicht gelungen, obwohl er als erster alleiniger Vorstandschef radikal vorging. Der bescheidene, korrekte Franzose stutzte den bürokratischen Konsumgüter-Koloss mit der ineffizienten Doppelführung in Rotterdam und London und der barocken Vielfalt an Marken und Produkten zurecht. Er erwarb sich das Vertrauen der Analysten, indem er die traditionell mächtigen Landeschefs entmachtete und das Management ebenso ausdünnte wie die Produktpalette. Cescau ließ sich nicht von Traditionen beeindrucken: Nach dem letzten Umbau des Vorstands im Februar gab es dort weder Briten noch Holländer, dafür aber Amerikaner, Franzosen, Inder und einen Mann aus Simbabwe.

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