Paul Tagliabue gilt als mächtigster Sportmanager der USA
Außen Buchhalter, innen Diplomat

Schüchtern sitzt Paul Tagliabue auf dem Podium bei einer Pressekonferenz in der Düsseldorfer LTU-Arena, wie die Mensch gewordene Unauffälligkeit: Das Haar hat jenen Grauanteil, der es unmöglich macht, die ursprüngliche Farbe zu erahnen, seine Brille ist dünnrandig, die Krawatte dezent rot-gelb, der Anzug dunkel.

HB DÜSSELDORF. Ein langjähriger Mitarbeiter aus der Buchhaltung könnte er sein, am letzten Tag vor der Rente, wenn der Chef ein längst verdientes Lob verkündet. Die Hände liegen im Schoß unter dem Tisch, gelegentlich knetet er einen Finger. Das Lächeln ist ein wenig zu starr, um echt zu sein: Da weiß einer, dass die Kameras auf ihn gerichtet sind – weil sie es in der Heimat ständig sind.

„Besuche in Europa sind für mich schon erholsam, weil mich nicht jeder erkennt“, sagt Tagliabue. In den USA ist er für die Fans des American Footballs schlicht der „Commish“, was für Commissioner steht und übersetzt „Bevollmächtigter“ heißt. Ein simpler Titel, hinter dem Großes steckt – die Lenkung eines Sportunternehmens, das fünf Milliarden Dollar umsetzt und dessen Gewinnspanne Experten auf zehn bis 15 Prozent schätzen: die American-Football-Liga National Football League (NFL). Und die wird gefeiert als Musterbeispiel, wie Sport und Vermarktung einhergehen können, ohne dass sportliche Qualität oder Spannung sinken. Zu verdanken hat sie dies vor allem Tagliabue.

1989 wurde aus dem Anwalt, der für die Großkanzlei Covington & Burling die Liga seit Anfang der 70er beriet, der Commish. Damals setzte die NFL 970 Millionen Dollar um und war von Tagliabues Vorgänger Pete Rozelle aus einer schlimmen Krise geführt worden.

Es folgte ein gewaltiger Aufschwung: Unter Tagliabue verfünffachte sich der Umsatz der NFL, vier neue Teams kamen hinzu, 20 Stadien wurden gebaut – bei der Finanzierung half die Liga – und ein eigener TV-Sender wurde gestartet. Überhaupt: Fernsehen. Vor drei Jahren sagte Tagliabue dem Handelsblatt: „Wir sehen, dass die Entwicklung der Fernsehgelder ihren Höhepunkt überschritten hat.“ Heute gibt er zu: „Ich lag falsch.“

Seite 1:

Außen Buchhalter, innen Diplomat

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%