Pax-Bank
Banker mit gutem Gewissen

Lutz Horstick ist Leiter des Asset-Managements der Kölner Pax-Bank. Wer Anti-Baby-Pillen und Kondome oder gar Pornofilme produziert, bekommt allerdings kein Geld von dem 33-Jährigen. Bei der Pax-Bank sind ethisch ausgerichtete Fonds und kirchlich orientierte Wertpapiere wichtiger als Wirtschaftlichkeit.

Viel telefonieren, den Kapitalmarkt beobachten, Anlagestrategien entwickeln – wenn Lutz Horstick über seine Arbeit als Fondsmanager spricht, hört sich das zunächst ganz normal an. Die Besonderheiten liegen im Detail: Bei Lutz Horstick geht es nämlich um „ethisch ausgerichtete Aktienfonds“ und um „kirchlich orientierte Wertpapierauswahl“. Der 33-Jährige ist Leiter des Asset-Managements der Kölner Pax-Bank. Die Kunden sind Bistümer, kirchliche Stiftungen und christliche Verbände.

Mit einer Bilanzsumme von 1,6 Milliarden Euro zählt die Pax-Bank zu den Mittelständlern der deutschen Bankenlandschaft und gilt wegen ihrer Spezialisierung auf die Geldanlage nach ethischen Wertmaßstäben als Exotin. „Es geht nicht um das wirtschaftlich beste Investment“, sagt Lutz Horstick. „Wir betrachten eine zweite Dimension, auf der ein Investment nach kirchlichen Gesichtspunkten beurteilt wird.“ Welche Titel „nicht mehr investierbar“ sind, darüber urteilt eine Agentur aus Mailand, mit der die Pax-Bank eng zusammenarbeitet.

Auch Unternehmen aus der Rüstungs-, Nuklear- und Genindustrie stehen auf dem Index. Aber bei der Beurteilung geht es nicht nur um die Produkte oder das Geschäftsfeld der Unternehmen. Auch die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter, die Beachtung der Menschenrechte, das Verhalten gegenüber Wettbewerbern oder Aktionären und ökologische Standards werden einbezogen. „Das reicht bis zur Recyclebarkeit der Produkte“, erklärt Horstick.

Fliegt ein Aktientitel aus einem Fonds, diskutiert er mit den Kunden darüber, ob sie die Entscheidung nachvollziehen können. „Das ethische Verständnis der Kunden ist sehr individuell. Da gibt es selten Schwarz oder Weiß, sondern viele Schattierungen“, sagt der Asset-Manager. Am Beispiel Alkohol könne man die unterschiedlichen Bewertungsmaßstäbe besonders gut erkennen. So habe etwa ein Kloster mit einer angeschlossenen Brauerei oder einem Weingut in der Regel kein Problem damit, in Aktien von Getränkeherstellern und Alkoholproduzenten zu investieren. Bei einem Wohltätigkeitsverband, der sich für Drogenabhängige einsetzt, sehe das ganz anders aus.

„Herauszufinden, nach welchen Werten der Kunde anlegen möchte, das macht meinen Beruf so spannend“, schildert der Banker. Und er hat auch gelernt zu kontern, wenn Berufskollegen ihn belächeln, weil ihm das Gewissen wichtiger ist als der Gewinn. „Meine Arbeit ist doch deshalb nicht weniger interessant“, sagt der Pax-Banker, der bis vor knapp einem Jahr als Portfolio-Manager in einem privaten Bankhaus gearbeitet hat. „Im Gegenteil: Ich kann längerfristige Strategien planen und bin nicht von kurzfristigen Quartalsergebnissen getrieben.“

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