Peer Schatz
Aufstieg mit Umweg

Mit strategischer Weitsicht hat Qiagen-Chef Peer Schatz seinem Unternehmen den Aufstieg ins obere Börsensegment ermöglicht. Inzwischen steht das Biotech-Unternehmen sogar an der Schwelle zum Dax. Das war so nicht absehbar, als er vor 16 Jahren dort anfing.

FRANKFURT. Geboren in New York, aufgewachsen in Amerika und der Schweiz, Wirtschaftsstudium in St. Gallen, MBA in Chicago. Eine solche Biografie scheint prädestiniert für eine steile Management-Karriere in einem internationalen Konzern.

Doch der Weg von Peer Schatz in die obere Führungsriege der deutschen Industrie verläuft weit abseits der üblichen Karrierepfade: 1993 heuert er als Finanzchef bei einer völlig unscheinbaren und etwas chaotischen Düsseldorfer Biotechnologie-Firma namens Diagen an. Ein Freund der Familie, der Molekularbiologe Charles Weissmann, Mitgründer des US-Biotechunternehmens Biogen, gab ihm den Tipp. Schatz hört auf ihn – und hat es wohl bis heute nicht bereut.

Denn aus Diagen wird wenig später die Firma Qiagen, die ihren Sitz ins benachbarte Hilden verlagert und sich als Spezialist für die Isolierung von DNA aus Zellmaterial zu einem führenden Zulieferer für die Genforschung entwickelt. Sie nutzt dieses Know-how für den Einstieg in die molekulare (genbasierte) Diagnostik – und gilt inzwischen als aussichtsreicher Kandidat für den Aufstieg in den Dax 30. Sollte das tatsächlich so kommen, wird Schatz mit seinen gerade einmal 44 Jahren nicht nur einer der jüngsten, sondern zugleich auch einer der erfahrensten Vertreter im Kreis der Dax-Vorstände sein. Als Finanzchef und seit 2004 als Vorstandvorsitzender hat Schatz maßgeblichen Anteil am Aufstieg von Qiagen.

Gestern konnte er die Ambitionen des Konzerns mit sehr guten Quartalszahlen untermauern. Trotz negativer Währungseffekte stieg der Umsatz von Qiagen im zweiten Quartal um zehn Prozent auf 240 Mio. Dollar, der Betriebsgewinn um mehr als ein Drittel auf 47 Mio. Dollar. Konjunktur- und Finanzkrise sind für Qiagen kaum ein Thema. Im Gesamtjahr wird sich der Umsatz erstmals der Grenze von einer Mrd. Dollar annähern. Die Ertragsprognose für das Gesamtjahr konnte Schatz gestern abermals leicht anheben – was die Börse mit einem kräftigen Kursgewinn honorierte. Mehr als 2,8 Mrd. Euro Marktkapitalisierung machen das Hildener Biotech- und Diagnostikunternehmen inzwischen zu dem mit Abstand schwersten Wert im TecDax.

Schatz ist sich dabei nicht einmal sicher, ob er sich über den möglichen Aufstieg ins oberste Börsensegment wirklich freuen sollte. „Unser Ziel ist es, Technologieführer bei molekularen Tests und Proben zu sein, alles andere ist völlig sekundär“, sagt er. Dabei hat er schon in jungen Jahren bewiesen, dass er Konzentration aufs operative Geschäft mit strategischer Weitsicht und solider Finanzmarkt-Kommunikation verbinden kann: 1996 führt er Qiagen als erstes deutsches Unternehmen an die US-Technologiebörse Nasdaq, wo auch heute noch ein Großteil der Qiagen-Aktien gehandelt werden. Ein Jahr später folgt die Notierung am Neuen Markt. Um Mitarbeiter am Unternehmen beteiligen zu können, etabliert Schatz eine Holding in den Niederlanden.

Die wichtigste strategische Weiche für das Unternehmen stellt er ab 2004, als er den Einstieg in die medizinische Diagnostik forcierte. Qiagen wandelt sich damit nach und nach vom Laborausrüster zum ernsthaften Akteur auf dem Gesundheitsmarkt. Schatz setzt dabei auf eine Kombination von Eigenentwicklungen und Zukäufen, darunter 2007 als wichtigste Einzelakquisition in der Firmengeschichte der 1,6 Mrd. Dollar teure Kauf der US-Firma Digene. Inzwischen gilt Qiagen neben dem Schweizer Roche-Konzern und der US-Firma Genprobe als einer der führenden Anbieter im Bereich der molekularen Diagnostik. Zur Palette gehören Gentests für zahlreiche Krebs- und Viruserkrankungen, darunter auch ein Test für die Schweinegrippe. Selbst Führungskräfte der Konkurrenz bescheinigen ihm eine geschickte und zugleich weitsichtige Strategie.

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