„Persönliche Gründe“
Personalchefin verlässt Deutsche Post

Die Deutsche Post muss sich ein neues Vorstandsmitglied suchen. Angela Titzrath erklärte überraschend ihren Rücktritt als Personalvorstand. Besonders die Gewerkschaft Verdi bedauert ihren Abgang.
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DüsseldorfBei der Deutschen Post hat das für Personal zuständige Vorstandsmitglied Angela Titzrath das Handtuch geworfen. Der Schritt kommt überraschend und könnte auch ein Signal für wichtige Tarifgespräche im kommenden Jahr sein, bei denen es neben Lohnfragen auch unter anderem um einen weiteren Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen gehen wird. Die Gewerkschaft Verdi bescheinigte Titzrath ausdrücklich, sie habe bis zu ihrem Ausscheiden gute Arbeit geleistet.

Im vergangenen Jahr hatte Titzrath den rund 130.000 Tarifbeschäftigten der Post mehr Geld zugestanden. Mit Verdi handelte sie einen Tarifvertrag aus, der Lohnerhöhungen in zwei Stufen von 3,1 und 2,6 Prozent vorsieht und Ende Mai 2015 ausläuft. Im Post-Vorstand war danach aber auch Kritik laut geworden, die Erhöhungen seien zu üppig ausgefallen.

Titzrath scheide aus „persönlichen Gründen“ aus, teilte die Post nun am Mittwoch in dürren Worten mit. Post-Aufsichtsratschef Wulf von Schimmelmann dankte der Managerin für ihre Arbeit, Post-Chef Frank Appel äußerte sich nicht. Die ehemalige Daimler-Managerin Titzrath war erst im Mai 2012 in den Vorstand des Bonner Konzerns aufgerückt, sie war ursprünglich noch bis April 2015 bestellt.

Titzrath habe sich „für eine langfristig orientierte, nachhaltige Personalpolitik“ eingesetzt, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis. „Die anstehenden Veränderungen, die der Logistikkonzern und Weltmarktführer Deutsche Post DHL in der nächsten Zeit in einem herausfordernden Wettbewerbsumfeld bewältigen muss, können nur gemeinsam mit den Sozialpartnern und den Beschäftigten erfolgreich bewältigt werden“, mahnte Kocsis. Dieser Verantwortung müssten sich Vorstand und Aufsichtsrat bewusst sein.

Die Post steht im globalen Wettbewerb mit Paket-Riesen wie UPS und FedEx, in Deutschland machen dem Konzern auch Anbieter wie DPD, GLS oder Hermes Konkurrenz. Vor allem im deutschen Briefgeschäft, das in den Zuständigkeitsbereich von Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes fällt, lassen sich nach mehreren Modernisierungsrunden in den Verteilzentren kaum noch Kosten sparen - es sei denn, die Personalkosten werden gedrückt.

Titzraths nun vorzeitig beendeter Vertrag war nicht der einzige eines Post-Vorstandsmitglieds, der im kommenden Jahr ausläuft. Vorstandsmitglied Gerdes ist bis Juni 2015 bestellt, in seinem Fall laufen Unternehmens- und Aufsichtsratskreisen Diskussionen über eine Verlängerung. „Eine Entscheidung über die Vertragsverlängerung steht im regulären Prozess erst in den kommenden Aufsichtsratssitzungen an“, hatte die Post dazu erst im Juni erklärt. Gerdes hatte sich in der Vergangenheit einige Auseinandersetzungen mit den Arbeitnehmern geliefert.

Im kommenden Jahr kann der Konzern mit weltweit über 436.000 Mitarbeitern wichtige Weichenstellungen im Personalbereich vornehmen. In Deutschland läuft der zuletzt 2011 bis Ende 2015 verlängerte Beschäftigungspakt aus, der betriebsbedingte Kündigungen verhindert. Ein weiterer Vertrag, der die Vergabe von weiteren Paketzustellbereichen an Dienstleister verbietet, endet dann ebenfalls. Die Verhandlungsrunde könnte also für reichlich Zündstoff sorgen. Verdi-Vertreterin Kocsis hatte den Vorstand bereits mehrfach vor Versuchen gewarnt, befristete Arbeitsverhältnisse auszuweiten und das Lohnniveau abzusenken.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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