„Persönliche Gründe“

Personalchefin verlässt Deutsche Post

Die Deutsche Post muss sich ein neues Vorstandsmitglied suchen. Angela Titzrath erklärte überraschend ihren Rücktritt als Personalvorstand. Besonders die Gewerkschaft Verdi bedauert ihren Abgang.
Update: 02.07.2014 - 15:17 Uhr Kommentieren
Angela Titzrath verlässt die Deutsche Post. Ihr Abgang kommt überraschend. Quelle: Reuters

Angela Titzrath verlässt die Deutsche Post. Ihr Abgang kommt überraschend.

(Foto: Reuters)

DüsseldorfBei der Deutschen Post hat das für Personal zuständige Vorstandsmitglied Angela Titzrath das Handtuch geworfen. Der Schritt kommt überraschend und könnte auch ein Signal für wichtige Tarifgespräche im kommenden Jahr sein, bei denen es neben Lohnfragen auch unter anderem um einen weiteren Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen gehen wird. Die Gewerkschaft Verdi bescheinigte Titzrath ausdrücklich, sie habe bis zu ihrem Ausscheiden gute Arbeit geleistet.

Im vergangenen Jahr hatte Titzrath den rund 130.000 Tarifbeschäftigten der Post mehr Geld zugestanden. Mit Verdi handelte sie einen Tarifvertrag aus, der Lohnerhöhungen in zwei Stufen von 3,1 und 2,6 Prozent vorsieht und Ende Mai 2015 ausläuft. Im Post-Vorstand war danach aber auch Kritik laut geworden, die Erhöhungen seien zu üppig ausgefallen.

Titzrath scheide aus „persönlichen Gründen“ aus, teilte die Post nun am Mittwoch in dürren Worten mit. Post-Aufsichtsratschef Wulf von Schimmelmann dankte der Managerin für ihre Arbeit, Post-Chef Frank Appel äußerte sich nicht. Die ehemalige Daimler-Managerin Titzrath war erst im Mai 2012 in den Vorstand des Bonner Konzerns aufgerückt, sie war ursprünglich noch bis April 2015 bestellt.

Titzrath habe sich „für eine langfristig orientierte, nachhaltige Personalpolitik“ eingesetzt, sagte die stellvertretende Verdi-Vorsitzende Andrea Kocsis. „Die anstehenden Veränderungen, die der Logistikkonzern und Weltmarktführer Deutsche Post DHL in der nächsten Zeit in einem herausfordernden Wettbewerbsumfeld bewältigen muss, können nur gemeinsam mit den Sozialpartnern und den Beschäftigten erfolgreich bewältigt werden“, mahnte Kocsis. Dieser Verantwortung müssten sich Vorstand und Aufsichtsrat bewusst sein.

Auch DHL schickt Paketdrohne in die Luft
In der Luft
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Vor der Zentrale der Deutschen Post in Bonn steigt eine Minidrohne mit einem Paket gen Himmel auf. Mitten im Weihnachtsgeschäft erhielt das Lied „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ eine ganz reale Bedeutung. Die Deutsche Post hat zum ersten Mal ihren „Paketkopter“ getestet und damit ein Zukunftsszenario für die Luftpost-Branche aufgezeigt.

Deutsche Post testet Paket-Drohne
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Die kleine Drohne der Deutschen Post beim ersten Einsatz. In Bonn wurde ein sogenannter Quadrokopter mit vier Rotoren getestet, den die DHL gemeinsam mit der Firma Microdrones aus Siegen entwickelt hat. Die Post-Variante kostet 40.000 Euro, wiegt etwa 2,5 Kilogramm und kann bisher eine Ladung von etwa einem Kilogramm befördern. Bald sei auch eine Drei-Kilo-Ladung möglich, sagte Post-Manager Ole Nordhoff. Der Prototyp könne laut DHL bis zu 90 Minuten im Batteriebetrieb in der Luft bleiben, 50 Stundenkilometer schnell fliegen und auch Regen und Schnee widerstehen. Bei den Zuschauern löste der Premierenflug eine Gefühlsmischung zwischen bewunderndem Staunen und Unbehagen über die Folgen der Zukunftstechnik aus.

Bereit zum Testflug
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Auf der Wiese hinter dem Bonner Post Tower bepacken zwei DHL-Mitarbeiter die Drohne mit einem Paket. Geräuschlos ist die Minidrohne wenig später mit einem Paket über den Rhein abgeflogen und bei der Post-Zentrale auf eine Zielmarkierung geschwebt. Dabei wurde das elektrisch angetriebene Modell von zwei Steuermännern am Boden mit Sticks über Funksignale ins Ziel gelenkt. Dies geschah aufgrund von besonderen Sicherheitsauflagen für die ersten Testflüge. Technisch wäre auch bereits eine GPS-Steuerung möglich gewesen.

Lieferdienst
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Laut deutschen Vorschriften darf ein solches Gerät nur auf Sicht geflogen werden. Deshalb setzen dem Einsatz des „Paketkopters“ schon die Tageszeiten Grenzen. Wenn die Dunkelheit anbricht, kann kein Sichtkontakt mehr zur Drohne hergestellt werden und das Gerät muss am Boden bleiben. Und damit es einmal ohne einen Steuermann in unmittelbarer Nähe fliegen kann, müssten Vorschriften geändert werden. Die Drohnen dürfen inklusive Ladung nicht schwerer sein als fünf Kilo und maximal 100 Meter über dem Boden schweben. Flugbetrieb über Menschenansammlungen oder Unglücksorten ist nicht erlaubt. Betroffene Grundstückseigentümer müssen den Flügen zustimmen. Die einzelnen Bundesländer haben außerdem ihre eigenen Bestimmungen. Für den Probelauf der Deutschen Post in Bonn gilt nordrhein-westfälisches Landesrecht. Eine allgemeine Erlaubnis ist an mehrere Voraussetzungen geknüpft: Der Antrag muss einen gewerbsmäßigen Zweck verfolgen und der Steuerer muss in der Bedienung des Fluggeräts geübt sein.

Flieger der Konkurrenz
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Natürlich war die Drohne mit dem DHL-Packet auch eine Antwort auf Amazon. Der Gründer und Chef des weltgrößten Onlinehändlers, Jeff Bezos, hatte vor einigen Tagen auch eine Paket-Drohne aufsteigen lassen. Bezos träumt davon, dass Drohnen künftig Waren an die Haustür liefern. Die Entwicklung könne vier bis fünf Jahre dauern, hatte er gesagt. Post-Vorstandschef Frank Appel dürfte der spektakuläre PR-Coup mächtig geärgert haben. Umso mehr, als die Deutsche Post auch schon seit einiger Zeit an dieser Variante einer Zustellung durch unbemannte Fluggeräte forscht und auch schon früher zu der „Luftnummer“ in der Lage gewesen wäre.

Dem Vogelflug nachempfunden
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Noch ist die Drohnen-Zustellung keine neue Wettbewerbsfront, sondern Zukunftsmusik. Das machte auch Post-Manager Ole Nordhoff klar: „Das ist ein Forschungsprojekt, und hier stehen wir erst ganz am Anfang.“ Eine Umsetzung sei noch „reine Spekulation“. Zunächst werde es um Weiterentwicklung und Tests gehen. „Grundsätzlich ist das eine spannende Technologie.“ Eine Lieferung wäre nicht an die Straße gebunden und könne auch sehr schnell erfolgen. Klingelt bald kein Paketbote mehr? „Das sehe ich nicht“, sagte Nordhoff. Derzeit denken die Manager bei der Post eher an Ausnahmefälle - etwa bei Sendungen von eiligen Medikamenten oder in entlegene Gebiete.

Die Post steht im globalen Wettbewerb mit Paket-Riesen wie UPS und FedEx, in Deutschland machen dem Konzern auch Anbieter wie DPD, GLS oder Hermes Konkurrenz. Vor allem im deutschen Briefgeschäft, das in den Zuständigkeitsbereich von Vorstandsmitglied Jürgen Gerdes fällt, lassen sich nach mehreren Modernisierungsrunden in den Verteilzentren kaum noch Kosten sparen - es sei denn, die Personalkosten werden gedrückt.

Titzraths nun vorzeitig beendeter Vertrag war nicht der einzige eines Post-Vorstandsmitglieds, der im kommenden Jahr ausläuft. Vorstandsmitglied Gerdes ist bis Juni 2015 bestellt, in seinem Fall laufen Unternehmens- und Aufsichtsratskreisen Diskussionen über eine Verlängerung. „Eine Entscheidung über die Vertragsverlängerung steht im regulären Prozess erst in den kommenden Aufsichtsratssitzungen an“, hatte die Post dazu erst im Juni erklärt. Gerdes hatte sich in der Vergangenheit einige Auseinandersetzungen mit den Arbeitnehmern geliefert.

Im kommenden Jahr kann der Konzern mit weltweit über 436.000 Mitarbeitern wichtige Weichenstellungen im Personalbereich vornehmen. In Deutschland läuft der zuletzt 2011 bis Ende 2015 verlängerte Beschäftigungspakt aus, der betriebsbedingte Kündigungen verhindert. Ein weiterer Vertrag, der die Vergabe von weiteren Paketzustellbereichen an Dienstleister verbietet, endet dann ebenfalls. Die Verhandlungsrunde könnte also für reichlich Zündstoff sorgen. Verdi-Vertreterin Kocsis hatte den Vorstand bereits mehrfach vor Versuchen gewarnt, befristete Arbeitsverhältnisse auszuweiten und das Lohnniveau abzusenken.

  • rtr
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