Personal
Wie Mittelständler um den Nachwuchs buhlen

Viele deutsche Familienfirmen haben die gezielte Suche nach dem Nachwuchs lange vernachlässigt. Doch der Kampf um die besten Talente ist groß, oft schnappen die führenden Konzerne früh den qualifizierten Nachwuchs weg. Deswegen wagen sich Mittelständler jetzt aus der Deckung. Und sie bieten einiges auf.

HIRSCHBERG. Bahnstation Großsachsen-Heddesheim statt Berlin Hauptbahnhof. Als junge Nachwuchsmanager an diesem Wochenende im Spätherbst mit dem Zug zur Recruitingmesse deutscher Familienunternehmen anreisen, scheint sich bei der Ankunft ein beliebtes Klischee zu bestätigen: Den Mittelstand umweht immer auch der Hauch der Provinz.

Doch genau dieses Klischee wollen die Firmen auf dem erstmals ausgerichteten "Mittelstandstag 2006" in Hirschberg an der Bergstraße ausmerzen. Ihre Botschaft an Nachwuchskräfte und Hochschulabsolventen: "Hidden champions" sind in aller Welt vertreten und bieten internationale Karrierechancen.

Diese Chancen sind allerdings meist ebenso versteckt wie die Firmen selbst. "Viele Bewerber kennen uns nicht und wissen nicht, was sie bei uns erwartet", moniert Jens Fiege, 32-jähriger Geschäftsführer des Grevener Logistikdienstleisters Fiege International. Bei Hochschulabsolventen stehen eher schillernde Arbeitgeber wie BMW oder BASF auf der Wunschliste ganz oben.

Doch der Mittelstand sucht derzeit ebenso dringend wie die Großkonzerne nach Management-Nachwuchs. Deswegen haben sich elf Familienfirmen - darunter Fiege, der Küchenhersteller Siematic und das Bauunternehmen Goldbeck - mit dem Münchener Entrepreneurs-Club zusammengetan und die Recrutingmesse organisiert. 250 junge Manager und Hochschulabsolventen hat der Club aus 1 000 Bewerbern ausgewählt und nach Hirschberg eingeladen.

Doch die so genannten Young Professionals müssen erst einmal den Weg dorthin finden: Von der verlassenen Bahnstation Großsachsen, gelegen zwischen Mannheim und Weinheim, geht es quer durchs Industriegebiet hinein in eine verglaste Ausstellungshalle der Firma Goldbeck.

Thomas Wende hat es geschafft. Er ist einer der Auserwählten, die zwischen aufgebauten Goldbeck-Paneelfassaden durch die Halle schlendern und an den Ständen Kontakt zu Unternehmenschefs und Personalmanagern suchen. Wende beendet demnächst sein BWL-Studium an der Uni Paderborn. Für ihn ist schon jetzt klar: Er will später nicht als "kleines Rädchen in einem Großkonzern arbeiten", wie er sagt, sondern sucht gezielt nach Mittelständlern.

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