Personalabteilungen
Abgestempelt zum Verwaltungsheini

Personalchefs geraten unter Druck – nach den Entlassungswellen müssen sie jetzt beweisen, was sie der Firma bringen.

HB DÜSSELDORF. Die Personalabteilung von UPS in Atlanta stand vor einem Rätsel: Ständig gingen dem größten Paketdienstleister der Welt die wichtigsten Leute von der Fahne. Ausgerechnet bei den Fahrern, die täglich die 14 Millionen Pakete an die UPS-Kunden ausliefern, bekamen die Personaler die Fluktuation nicht in den Griff. Egal, wie viel Mühe sie sich bei der Wahl der Mitarbeiter machten, wie sehr sie versuchten, in Vorstellungsgesprächen die wahren Fertigkeiten und Interessen der Kandidaten zu ergründen – viele hingen den Job nach kurzer Zeit wieder an den Nagel.

Erst eine Analyse offenbarte den Grund: Das Beladen der Trucks war den meisten Fahrern einfach zu langweilig und zu anstrengend. UPS zog die Konsequenzen und stellte Tausende von Aushilfen fürs Beladen ein. Mit Erfolg: Zwar hat UPS jetzt bei denen viel Fluktuation. Dafür sind die – wichtigeren – Fahrer mit ihrem Job heute viel zufriedener und bleiben dem Unternehmen länger treu. UPS hatte erkannt, dass die Fahrer eine Schlüsselrolle für den Unternehmenserfolg spielten: Die Fahrer haben den meisten Kontakt zu den Kunden und treffen ständig Entscheidungen, von denen die Effizienz der Lieferkette abhängt. Nur selten gelingt es Personalchefs, mit ihrer Arbeit so viel zu bewirken und das auch noch sichtbar zu machen. Im Gegenteil: „In vielen Unternehmen führt gerade die Personalabteilung ein Schattendasein“, urteilt Piotr Bednarczuk, Deutschland-Chef der Managementberatung Hewitt, die gerade die Personalarbeit von 50 europäischen und amerikanischen Unternehmen analysiert hat und deren Ergebnis dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Das Ergebnis: Vor allem in europäischen Unternehmen haben Personalchefs fast nichts zu sagen, oft fehlt ihnen die Vision, welche Rolle sie im Unternehmen spielen, und sie sind dazu noch schlecht organisiert. „Nur wenige Personalabteilungen arbeiten effizient“, mahnt Bednarczuk. „Viel zu oft verschwenden hoch qualifizierte Leute Zeit mit administrativen Routinearbeiten.“

Das Problem: Die Personalmanager hatten in den vergangenen Jahren alle Hände voll damit zu tun, zu restrukturieren und eine Kündigungswelle nach der anderen abzuwickeln. Da blieb keine Zeit, über die eigene Rolle nachzudenken. „Jetzt geraten die Personalabteilungen jedoch selbst unter Druck, ihren eigenen Beitrag zur Wertschöpfung des Unternehmens nachzuweisen“, bestätigt Walter Jochmann, Geschäftsführer der Managementberatung Kienbaum in Gummersbach. Nicht mal die Hälfte der Unternehmenslenker ist mit der Arbeit ihrer Personaler voll und ganz zufrieden, belegt auch eine Kienbaum-Studie. Selbst die Personaler sehen sich in einer Identitätskrise. Nur 40 Prozent sind von ihrer Organisation und Positionierung überzeugt. 59 Prozent der Personalchefs glauben, dass sie keinen Einfluss auf die Firmenstrategie haben.

Dabei: Immer mehr Firmen wollen den Personalchef, der Veränderungen anstößt, der dem Vorstand in Strategiefragen, aber auch den nachgeordneten Managern bei der Prozessoptimierung zur Seite steht. „Viele Personalchefs sind es selbst leid, als Verwalter abgestempelt und bei Massenentlassungen nur als Erfüllungsgehilfen angesehen zu werden“, beschreibt Ernst Heilgenthal von der Personalberatung Gemini Executive Search in Köln das Dilemma. „Aber häufig trauen sie sich nicht, neue Personalprogramme aufzusetzen. Weil so etwas Geld kostet. Um nicht aufzufallen, halten sie dann lieber an ihrer alten Rolle als Verwalter fest, der Personalakten führt, Lohn- und Gehaltsabrechnung managt und fürs Arbeitsrecht der Ansprechpartner ist.“

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