Personalchefin Continental
„Ich rede über das, was ich tue“

Continental rückt in den Dax auf und die Stimme von Vorstand Elke Strathmann erhält mehr Gewicht. Von einer Frauenquote für Manager hält sie nichts. Mit mehr Familienfreundlichkeit will sie den Anteil dennoch steigern.
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HannoverElke Strathmann, seit Januar die erste Frau im Vorstand des Dax-Aufsteigers Continental, lehnt eine Quote für weibliche Führungskräfte ab. „Eine starre Frauenquote hilft niemandem. Sie ist der falsche Weg“, sagte Strathmann dem Handelsblatt. „Frauen in Führungspositionen sind kein kurzfristiger Trend, sondern ein strategisches Thema mit langfristiger geschäftlicher Bedeutung.“
Wer das missachte, verliert aus Sicht von Contis Personalvorstand auch geschäftlich. „Gemischte Teams sind Studien zufolge sechsmal effizienter bei der Lösung von Problemen“, so Strathmann. „Dazu kommt: 80 Prozent aller Autokäufe werden von Frauen zumindest mitentschieden. Da tun wir gut daran, unsere Kundinnen zu verstehen – was vielen Männern bekanntlich eher schwer fällt.“

Die Managerin will den Anteil weiblicher Führungskräfte beim Autozulieferer und Reifenhersteller auf 16 Prozent steigern – lässt aber offen, bis wann. Denn „so viele gute Ingenieurinnen wie benötigt sind leider gar nicht verfügbar“, sagte Strathmann zur Begründung.
Den Frauenanteil hat sie seit Amtsantritt von acht Prozent Managerinnen unter den 3000 Führungskräften von Conti weltweit auf neun Prozent gesteigert. Strathmann will die Kultur des Unternehmens wandeln. „Wir wollen eine vielfältige Belegschaft: mehr Frauen, aber auch mehr Internationalität, Jüngere und Ältere. So entstehen mehr Ideen und wir werden noch erfolgreicher.“

Ziele zu erreichen ist aus ihrer Sicht wichtiger als Präsenz. „Der Konzern muss familienfreundlicher werden. Menschen interessiert heute weniger das Geld, sondern zunehmend die Kultur eines Unternehmens“, so Strathmann. Als Beispiel führt die ehemalige Nestlé-Managerin Konferenzen an, die bisher am Sonntag begannen. „Das ist für junge Frauen, aber zunehmend auch junge Männer, mit Kindern problematisch. Jetzt starten wir Konferenzen so, dass sie keine Anreise am Wochenende erfordern“, sagte die Personalchefin von Conti, die zu den wenigen Topmanagerinnen in der Autoindustrie gehört.

Wie schwer Frauen der Aufstieg fallen kann, hat Strathmann selbst erlebt. Als die Diplom-Mathematikerin ihre eigene Karriere als IT-Spezialistin in den 80er Jahren beim Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble startete, habe sie stolz termingerecht ihre Software-Programme abgeliefert. „Bis mich jemand gefragt hat: Was machst Du eigentlich? Das hat mich entsetzt: Ich hatte gedacht, ohne mich würde es nicht gehen – und das sei jedem klar. Deshalb habe ich angefangen, darüber zu reden, was ich tue. Erst dann wurde ich richtig wahrgenommen“, sagte Strathmann dem Handelsblatt.

Mark C. Schneider
Mark C. Schneider
Handelsblatt / Redakteur

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  • Ich dachte immer, dass die Quote bei gleich kompetenten Bewerber(i)nen die Entscheidung der AGs erleichtern soll. Vielleicht ist mein Verständnis bei der Quotenanwendung bisschen anders.

    Aus meinen Beobachtungen treffen die Chefs aus Ostdeutschland eher die geschlechter-unabhängigen Entscheischungen bei der Einstellung. Wahrscheinlich weil die Gleichstellung damals im Kommunismus pragmatischer umgesetzt wird.

    Übrigens können die Mütter in vielen südostasiatischen Ländern ihren Job los werden, wenn sie nach dem Wochenbett nicht wieder am Arbeitsplatz sind. Und in den meisten dieser Länder sind definitiv zwei Gehälter notwendig, wenn seine Kinder anständig auf die Zukunft vorbereiten will, denn hier kosten Gesundheit und Bildung sehr viel Geld!

    Also, lassen wir ohne Vorurteile doch die Frauen ihre eigenen Entscheidungen treffen! Begrüßen wir es, wenn sie beides (Karriere+Kinder) unter einen Hut kriegen, ob mit oder ohne Unterstützung.

  • Wenn Sie die Einlassung mit der wesentlich höheren sozialen Kompetenz weggelassen hätten, könnte ich Ihnen voll zustimmen.
    Frauen haben keine höhere soziale Kompetetenz, sondern nur eine größere soziale Empfindlichkeit, was sowohl Vorteile als auch Nachteile mit sich bringt.
    Deshalb sind gemischte Teams besser, weil sie sich ergänzen, je nachdem ob mehr oder weniger Sensibilität von Vorteil ist.
    Ebenfalls kann ich ihre Beschreibung gewalttätiger Gesellschaften so nicht zustimmen. Patriachate haben sich wohl unter dem Druck gewalttätiger Bedrohungen letztlich auch dort etabliert, wo es matriachalische Strukturen gab. Das ist letztlich der diesbezüglichen physischen Überlegenheit geschuldet und wurde schon aus eigenem Interesse deshalb auch sehr wahrscheinlich von Frauen befördert (Schutzbedürfnis).
    Mit der Abnahme der Bedrohung aufgrund rein physischer Kraft ist die Gleichberechtigung erst möglich geworden.
    Daher ist es kein Zufall das die Frauenbewegungen mit der Technisierung des Krieges erfolgreich einhergeht.
    Das sich auch auf Grund von Notwendigkeiten des Überlebens entstandene Machtstrukturen nur schwerfällig ändern, gilt im umgekehrten Fall für Frauen ebenso wie für Männer. Das lässt sich in durchaus vorhandenen entsprechenden Struktur leicht beobachten.
    Und der Verzicht auf physische Gewalt erscheint einem bei so manchem cleveren Schlaumeier auch nicht immer als Segen.

    H.

  • Eine Frauenquote diskriminiert die Frauen. Denn eine Frau, die einen Job über eine Quotenregelung bekommen hat, wird sich immer wieder anhören müssen, dass sie es "sonst nie geschafft hätte".

    Ein Blick in die Männer dominierte Vergangenheit und hier insbesondere in die muslimische Welt zeigt, dass bei den gewalttätigsten Gesellschaften immer Männer das Sagen haben.

    Mit der Zeit werden sich die Frauen mit ihrer wesentlich höheren sozialen Kompetenz daher automatisch mehr und mehr durchsetzen. Nichts ist so stark, wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist (Victor Hugo). Wenn die Frauen hier das für ihre langfristige Durchsetzung sinnvolle Maß an Geduld aufbringen, wird ihr Erfolg unaufhaltsam und umso nachhaltiger sein!

    Heftiges Flügelschlagen emanzipatorischer Kampfhühner verzögert den Erfolg der Frauen unnötig, weil es abstoßend wirkt und Abwehrreflexe der nicht Platz machen wollenden Patriarchatssysteme auslöst und stärkt.

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