Personaleinsatz
Chaos statt Planung

Statt den Einsatz ihres Personals professionell zu steuern, verordnen die meisten Großunternehmen lieber Überstunden oder heuern kostspielige Leiharbeiter an. Entschließt sich die Führungsebene für eine zentrale Planung, muss sie allerdings interne Widerstände überwinden.

INGOLSTADT. Das Klinikum Ingolstadt beschäftigt 150 Chirurgen, aber die müssen natürlich nicht alle gleichzeitig im Dienst sein. „Schließlich haben wir ja keine 150 Operationssäle,“ so Heribert Fastenmeier, der Geschäftsführer des Klinikums. Wer wann wo operieren muss, das managt eine elektronische Personaleinsatzplanung. Das System weiß, wie viele Kollegen gerade im Urlaub sind oder wie die Besetzung der Stationen morgens um acht sein muss, damit alles funktioniert. Und es berücksichtigt persönliche Wünsche: Eine Krankenschwester kann sich nachmittags entscheiden, wann sie am folgenden Tag anfangen möchte. Den Abgleich dieser und der vielen anderen Wünsche mit den Erfordernissen des Klinikums besorgt dann das Computerprogramm.

Eine solche Planung ist keineswegs die Regel in deutschen Unternehmen, sondern eher die Ausnahme. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die der Personalsoftware-Hersteller Atoss zusammen mit der SRH Fachhochschule Heidelberg durchgeführt hat. Etwa ein Viertel von Deutschlands Top-1 000-Firmen hatten darüber Auskunft gegeben, wie sie den Einsatz und die Arbeitszeit ihres Personals planen. Lediglich 15 Prozent, so das erschreckende Resultat, setzen auf diesem Gebiet professionelle Werkzeuge ein.

Michael Nagy hat als Professor für Qualitäts- und Sozialmanagement an der SRH Fachhochschule Heidelberg die Studie wissenschaftlich begleitet. Für ihn sind an der mangelnden Akzeptanz solcher Systeme die Managementreligionen der Vergangenheit schuld. „Das Profit-Center-Denken hat hier eine Menge Schlechtes angerichtet“, meint Nagy. „Wenn die Unternehmensleitung auf interne Konkurrenz der Abteilungen setzt statt auf Kooperation, dann versucht jeder Abteilungsleiter, personelle Reserven zu verschweigen, statt sie mit anderen zu teilen. Ein koordinierter Einsatz der Mitarbeiter ist so natürlich nicht möglich.“

Stattdessen wird wahllos draufgesattelt, auch das ist ein Ergebnis der Studie: Drei Viertel aller Industrieunternehmen spannen bei Auftragsspitzen kostspielige Leiharbeiter ein, 61 Prozent ordnen Überstunden an. Ein teures Vergnügen, das sich nach Ansicht des Ingolstädter Klinikchefs Heribert Fastenmeier etwa Krankenhäuser überhaupt nicht mehr leisten können. „Die Abrechnung nach Fallpauschalen bedeutet, dass die Kassen uns ausschließlich für erbrachte Leistungen bezahlen. Personalreserven können wir nicht vorhalten, weil wir auf den Kosten komplett sitzen bleiben würden.“ Durch den Einsatz des Planungswerkzeugs braucht die Klinik solche Reserven nicht mehr. Auf satte fünf Millionen Euro pro Jahr schätzt Fastenmeier die finanziellen Einsparungen.

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