Personalie
Chefwechsel bei Norddeutscher Affinerie

Europas größter Kupferhütte hat ihren Vorstandvorsitzenden verloren. Mitten im Übernahme-Poker um den belgischen Konkurrenten Cumerio trat Werner Marnette auf einer Aufsichtsratssitzung am Freitag zurück. Ein Nachfolger ist noch nicht in Sicht.

DPA HAMBURG. Bei Europas größter Kupferhütte Norddeutsche Affinerie (NA) gibt es mitten im Übernahme-Poker um den belgischen Konkurrenten Cumerio einen Chefwechsel. Der Vorstandsvorsitzende Werner Marnette sei auf einer Aufsichtsratssitzung am Freitag zurückgetreten, teilte die NA in Hamburg mit. Gründe wurden nicht genannt.

Die Norddeutsche Affinerie will seit Monaten Cumerio übernehmen und hält inzwischen rund 30 Prozent. Im Spiel ist allerdings noch der österreichische Investor Mirko Kovats, der 25 Prozent an Cumerio hält und auch der größte Einzelaktionär der NA mit 15 Prozent ist. Kovats hatte sich erst am Mittwoch mit einem NA-Aufsichtsrat getroffen und danach eine Aufstockung seiner Beteiligung an der Affinerie nicht ausgeschlossen. Die NA gab am Freitag auch eine Kapitalerhöhung für die Cumerio-Übernahme mit einem Erlös von knapp 100 Mill. Euro bekannt.

Rund um den Übernahme-Marathon bei Cumerio gab es bisher viele Spekulationen und nur wenig offizielle Informationen. Dem Vernehmen nach will Kovats mehr Einfluss in der europäischen Kupferindustrie gewinnen und damit auch Sitze im NA-Aufsichtsrat; die Übernahme von Cumerio durch die NA wolle er dabei nicht blockieren. Kovats und Marnette hatten in mehreren Treffen eine Verhandlungslösung erarbeitet. Der Aufsichtsrat der Norddeutschen Affinerie lehnte den Kompromiss jedoch ab. Laut Zeitungsberichten hatte Kovats angeboten, sein Cumerio-Paket an die NA zu verkaufen und wollte im Gegenzug zwei Aufsichtsratssitze bei der Affinerie.

Der NA-Aufsichtsrat hatte seine Ablehnung mit dem Hinweis auf das laufende EU-Kartellverfahren begründet. Während dieses Verfahrens sei eine vertragliche Vereinbarung zwischen der NA und der A-TEC Industries nicht weiterzuverfolgen, hieß es. Man wolle zunächst das Ende des Verfahrens abwarten.

Dann kam diese Woche aber das Treffen mit dem NA-Aufsichtsratsmitglied. Es hieß, Ziel des Gesprächs sei gewesen, Klarheit über die mittel- und langfristigen Vorstellungen und Ziele zu schaffen, die mit der Beteiligung von Kovats“ Firma A-TEC an der NA verbunden seien. Über Ergebnisse wurde nichts mitgeteilt, das Gespräch habe in einer "angenehmen und konstruktiven" Atmosphäre stattgefunden, hieß es lediglich.

Marnett stand mehr als 13 Jahre an der Spitze der Norddeutschen Affinerie. Der impulsive Manager fiel in den vergangenen Jahren unter anderem mit seiner harschen Kritik an den hohen Energiepreisen in Deutschland auf, als er von "vier Besatzungszonen" sprach, in die die Energiekonzerne Eon, RWE, Vattenfall und ENBW Deutschland aufgeteilt hätten.

Die Trennung von Marnette erfolge in "beiderseitigem Einvernehmen", teilte der NA-Aufsichtsrat mit. Für eine Übergangszeit solle Finanzchef Bernd Drouven die Vorstandsarbeit koordinieren, hieß es. In absehbarer Zeit werde ein Nachfolger berufen.

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