Personalien
Machtvakuum bei Mobilcom

Der Vertriebsvorstand Michael Grodd verlässt die Mobilfunkfirma Mobilcom und wechselt zur Vodafone-Tochter Arcor. Grodd ist nicht das erste Vorstandsmitglied, das das Büdelsdorfer Unternehmen verlässt. Für Mobilcom ist der Zeitpunkt alles andere als günstig.

HAMBURG. Der geräumige Konferenzraum im Hamburger Nobelhotel Marriott ist voll besetzt. Wie üblich erläutert Mobilcom-Chef Eckhard Spoerr vor Journalisten die Quartalszahlen. Doch ein Manager, der sonst stets bei allen Pressekonferenzen dabei ist, fehlt an diesem kalten Dienstagmorgen im Mai: Vertriebsvorstand Michael Grodd.

Der 50-jährige Brillenträger mit dem kurz geschnittenen, lichten Haar dürfte auch künftig nicht dabei sein. Der gebürtige Stuttgarter wechselt zum Jahresanfang zur Vodafone-Tochter Arcor, dem Erzrivalen von Mobilcom. Seine Aufgaben im Vertrieb will Spoerr, 38, noch zusätzlich übernehmen, teilte Mobilcom mit.

Dass Spoerr das Vertriebsressort nicht neu besetzt, ist nicht verwunderlich. Kaum ein Manager sei bereit, zur Büdelsdorfer Gesellschaft zu wechseln, meinen Branchenexperten – zu unsicher ist derzeit die Zukunft der Firma. Denn die geplante Fusion zwischen dem zweitgrößten deutschen Mobilfunkdienstleister und der Internettochter Freenet steht weiter auf des Messers Schneide. Mehrere Kleinaktionäre blockieren seit mehr als einem Jahr die geplante Verschmelzung.

Kommt aber die Fusion nicht bald zu Stande, dürften die Büdelsdorfer nicht genug Geld haben, um im Bieterkampf um die Time-Warner-Tochter AOL Deutschland zu siegen. Dies würde die Vertriebsprobleme verstärken. Denn das Unternehmen verliert in diesem Fall im Zukunftsmarkt für schnelle Internetanschlüsse – kurz DSL – endgültig den Anschluss.

Auch für Analysten ist Grodds Wechsel nachvollziehbar. „Angesichts der Unruhe im Mobilcom-Konzern kommt es nicht völlig überraschend, dass ein weiteres Vorstandsmitglied das Unternehmen verlässt“, sagt Andreas Heinold, Analyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Im August vergangenen Jahres war bereits Mobilcom-Vorstandschef Thorsten Grenz nach einen Machtkampf mit Spoerr gegangen.

Grodds Jobwechsel hat aber noch einen weiteren Grund: Seit längerem soll die Chemie zwischen dem sonorig wirkenden Vertriebsmann und dem ehrgeizigen Mobilcom-Chef nicht mehr gestimmt haben, heißt es. „Das Verhältnis zwischen Grodd und Spoerr war in der letzten Zeit sehr angespannt. Grodd fasste es auch als Affront auf, wenn er Spoerrs Aktenkoffer tragen musste“, sagt ein Vertrauter von Grodd.

Der Mobilcom-Vertriebsvorstand selbst weist dies lachend zurück. „Das Verhältnis zum Vorstandschef war seit sechs Jahren hervorragend. Ich verlasse Mobilcom, weil mich Arcor seit längerem mit der neuen Aufgabe gelockt hat“, sagt Grodd. Spoerrs Antwort fällt knapper aus: „Wir haben gut und vertrauensvoll zusammengearbeitet.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%