Personalpolitik
Erich Sixt kann’s nicht lassen

Erich Sixt denkt nicht daran, in Rente zu gehen. Der Firmenpatriarch des Autovermieters lässt sich nur ungern die Zügel aus der Hand nehmen. Die Abgänge des Führungspersonals häufen sich: Erst musste Vertriebschef Topp gehen, nun folgt ein weiterer Vorstand.

MÜNCHEN. Er könnte Golf spielen. Die nahe Bergwelt genießen. Einfach mal andere das Geschäft machen lassen, das er aufgebaut hat. Aber er will nicht. Jeden Morgen macht er sich auf den Weg in die orange-rote Firmenzentrale in München Pullach und arbeitet weiter. "Ich bin doch noch ein junger Spund", sagt der 65-Jährige auf die Frage, ob er irgendwann einmal kürzer treten will. Es ist ja auch schwierig: Der Großaktionär Sixt will seinen besten Manager Sixt einfach nicht gehen lassen.

Andere dagegen schon. Gestern verließ überraschend Carsten Odemann "im gegenseitigen freundschaftlichen Einvernehmen" den Autovermieter. Abgelöst wird der langgediente Finanzvorstand von Julian zu Putlitz, der von der Strategieberatung Roland Berger kommt. Ein lange geplanter Schritt, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Es sei die Zeit, die Weichen für eine neue, langfristige Unternehmensstruktur zu stellen. So habe das auf der Hauptversammlung Aufsichtratschef Gunter Thielen bereits angekündigt.

Die Abgänge häufen sich. Anfang Juni verließ mit Hans-Norbert Topp bereits der Vertriebschef das Unternehmen. Sein Abgang war weniger harmonisch, sondern von "unterschiedlichen Auffassungen über die künftige Vertriebsstrategie" geprägt, hieß es zur Begründung. Mit Martin Grünberg und Michael Mayr mussten bereits im Frühjahr die Verantwortlichen für das Leasinggeschäft ihre Büros räumen. Die Zeiten werden rauer im Vermiet- und Leasingmarkt, auch bei Deutschlands bekanntester Adresse.

Sixt steckt im Umbruch. Doch statt das Unternehmen auf den Übergang zu externen Managern vorzubereiten, nimmt Familie Sixt die Zügel selbst in die Hand. Ein neuer Vertriebsvorstand ist bis heute nicht ernannt - traditionell führt seine Frau Regine einen Teil des Marketings. Sohn Konstantin zeichnet mittlerweile für das wichtige Internetgeschäft verantwortlich. Seit dem 1. Juli ist Sohn Alexander Chef der Konzernentwicklung. Mit dem neuen Finanzchef zu Putlitz verbindet der Junior eine gemeinsame Zeit bei Roland Berger. Und Senior Erich bleibt auf unbestimmte Zeit Vorstandschef.

Der Firmengründer glaubt immer noch, den besten Riecher der Branche zu haben. Und obwohl das Unternehmen mittlerweile an der Börse ist, führt Sixt eine lange Familientradition fort. Vater Hans Sixt machte nach dem Krieg erste Geschäfte als Taxiunternehmer mit amerikanischen Soldaten in München. Sohn Erich bricht das Studium ab und steigt Ende der sechziger Jahre groß in das Geschäft mit Mietwagen ein. Irgendwann wurde ihm das Rad als persönlich haftender Gesellschafter zu groß, Sixt geht an die Börse. "Ich habe mit dem letzten Knopf gehaftet", erinnert sich Sixt. Mit 57 Prozent der Aktien bleibt er aber bis heute der Mehrheitsaktionär.

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