Personalvorstand Hartz gibt auf
Experten sehen im Rücktritt Chance für VW

Peter Hartz stand für Konsens und den ganz besonderen Zusammenhalt von Betriebsrat und Management bei VW. Und gerade die Nähe zur Arbeitnehmerschaft brachte Hartz nun ins Kielwasser der Korruptionsaffäre.

HB WOLFSBURG. Obwohl es keine konkreten Anhaltspunkte für eine Verstrickung des VW-Personalvorstands in die schmutzigen Geschäfte gibt, geriet Hartz in den vergangenen Tagen immer mehr ins Gerede. Der Rücktritt des 63-Jährigen dürfte bei Europas größtem Autobauer nun das Ende einer Ära markieren.

Der besondere Stil, der bei VW seit den 90er Jahren herrschte, dürfte nach dem Abtritt von Volkert und Hartz zu Ende sein. Beide waren Gewerkschafter, SPD-Mitglieder und standen Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nahe. Mit seiner innovativen Politik habe sich Hartz um das Unternehmen verdient gemacht, hatte Schröder erst am Dienstag den Regierungsberater verteidigt. Das klang schon fast wie politischer Nachruf.

Bei VW wird der Name Hartz immer mit der Vier-Tage-Woche, mit dem Modell „5000 mal 5000“ und der Sicherung von Zehntausenden von Arbeitsplätzen verbunden bleiben. Gemeinsam mit Volkert galt er als Garant für das „System VW“, das auf Kompromiss statt auf Konfrontation setzte und damit vieles, auch vorbildhafte Tarifmodelle, erreicht hat.

Kritiker monierten jedoch die übergroße Macht des Betriebsrates, der SPD und der IG Metall, die in Zeiten der SPD-Landesregierung über die zwei Landessitze im Aufsichtsrat eine Mehrheit hatten. Vorwürfe von Filz machten die Runde und das könnte auch der Humus sein, auf dem jetzt die neuen Spekulationen und wilden Gerüchte gewachsen sind.

Pischetsrieder und sein neuer Hoffnungsträger, VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard, dürften in dem Rückzug von Hartz und Volkert auch die Chance für einen Neubeginn sehen, meinen Branchenexperten.

„Für VW ist der Rücktritt von Hartz, den der Aufsichtsrat sicher annehmen wird, ein großer Befreiungsschlag“, sagte der Gelsenkirchener Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer. Der Rückzug des Personalvorstandes erleichtert aus seiner Sicht bei Volkswagen auch den erforderlichen Sanierungskurs. „VW steht im harten Wettbewerb und braucht eine konsequente Sanierung. Da muss die beste Lösung nicht immer auch die beste Lösung für den besten Freund sein“, so Dudenhöffer. Unter Hartz' Verantwortung sei es bei VW immer Konsenslösungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft gegangen. „Das ist heute nicht immer angebracht“, sagte der Autoexperte. Denn dem Unternehmen geht es nicht gut. Und alle Experten sehen keinesfalls kräftig steigende Kauflust für teure Autos.

Kostensenkungen hat der Vorstand deshalb als Devise ausgegeben. Und erste Zahlen sind auch schon genannt. Sieben Mrd. € will Bernhard sparen und zugleich die Qualität der Autos deutlich verbessern. Das dürfte ohne Einschnitte bei der Belegschaft nicht abgehen. Bisher liegen die Fertigungskosten um bis zu 40 % über denen der Wettbewerber und der Haustarif gewährt VW-Beschäftigten um bis zu 20 % höhere Löhne als bei der Konkurrenz.

Einen ersten Vorgeschmack auf die jetzt noch anstehenden Auseinandersetzungen bieten die derzeit laufenden Verhandlungen um ein neues Schichtmodell in Wolfsburg. Die Beratungen sind angeblich völlig festgefahren. Dabei geht um Einsparungen von rund 70 Mill. €, die vor allem durch Wegfall von Nachtschichten erreicht werden sollen. Es dürfte nicht der letzte Streit bleiben.

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