Personalwechsel
Der Chef von London-Heathrow fliegt

Der Flughafenbetreiber Ferrovial greift endlich durch, Stephen Nelson muss gehen. Er hatte in seiner kurzen Amtszeit fast permanent als Blitzableiter gedient. Doch die finanziellen Probleme des Betreibers sind dadurch nicht gelöst.

LONDON. Der spanische Infrastrukturkonzern Ferrovial versucht, mit einem Führungswechsel Ruhe in den britischen Flughafenbetreiber BAA zu bringen. Kurz vor der Eröffnung des neuen Terminal 5 am Luftdrehkreuz London-Heathrow löste der Großaktionär Vorstandschef Stephen Nelson ab. Neuer Chef wird Colin Matthews, ein ehemaliger Manager von British Airways. Parallel dazu arbeiten die Spanier mit Hochdruck an einem Finanzierungspaket für BAA.

Ferrovial hat den größten europäischen Flughafenbetreiber Mitte 2006 gemeinsam mit Staats- und Pensionsfonds aus Singapur und Kanada gekauft. Doch bisher hatten die neuen Eigner wenig Freude: Fluggesellschaften, Verbände und Politiker beklagen den mangelhaften Service in Heathrow und an anderen Flughäfen, Anwohner und Umweltschützer protestieren gegen den Ausbau des Drehkreuzes. Die Flughafen-Aufsichtsbehörde CAA fasst wegen der Beschwerden den finanziellen Rahmen für BAA enger. Noch dazu prüft das Kartellamt derzeit eine Zerschlagung des Unternehmens.

Nelson hat deshalb in seiner kurzen Amtszeit fast permanent als Blitzableiter gedient. Mit seiner Herkunft aus der Einzelhandelsbranche schien er die Kritik zu bestätigen, dass BAA eher die Einnahmen aus den zahllosen Flughafenshops als das Reiseerlebnis für die Passagiere zu optimieren suche. Nelson selbst sprach gestern von beträchtlichen Herausforderungen in seiner Amtszeit. Er hielt sich aber die pünktliche Fertigstellung des gewaltigen Terminal 5 im veranschlagten Kostenrahmen zu Gute. British Airways wird das Terminal Ende März beziehen.

Nelsons Nachfolger Matthews hat zuletzt als Chef des Wasserversorgers Severn Trent gearbeitet. Das verleiht ihm Erfahrungen in einem eng regulierten Infrastruktur-Geschäft. Davor war der Ingenieur Technischer Direktor bei British Airways.

Das größte Problem für BAA sind jedoch die Finanzen. Das Unternehmen muss bis 2018 zwölf Mrd. Euro für den Ausbau der Flughäfen ausgeben. Das Geld dafür muss es zum Teil am Kapitalmarkt aufnehmen. Der selbst hoch verschuldete Hauptaktionär Ferrovial bemüht sich seit Monaten um eine große Refinanzierung von 13 Mrd. Euro, die alte BAA-Schulden, neuen Finanzbedarf und einen Teil des für die Übernahme aufgenommenen Kredites ablösen soll. Als Sicherheit will er den Cash-Flow der drei Londoner Flughäfen Heathrow, Gatwick und Stansted abtreten.

Am Dienstag kündigte Ferrovial den Verkauf von Immobilien und Duty-Free-Shops an. Man suche alternative Finanzierungsmöglichkeiten und werde in wenigen Monaten eine Lösung vorstellen, hieß es vage. Analyst Andrew Blease von Moody’s kritisierte, der Mangel an Informationen sei ein Grund für die Marktspekulationen über eine Zahlungsunfähigkeit. „BAA muss die Schulden refinanzieren und neues Geld für Investitionen finden, um finanzielle Probleme zu vermeiden“, warnte er.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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