Personalwechsel im Kanzleramt: Merkel wirbt Bundesbank Volkswirt ab

Personalwechsel im Kanzleramt
Merkel wirbt Bundesbank Volkswirt ab

Der Bundesbank-Ökonom Jens Weidmann wird neuer wirtschaftspolitischer Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Das bestätigte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm auf Anfrage.

BERLIN/DÜSSELDORF. Weidmann, 1968 geboren, war bisher Leiter der Abteilung Geldpolitik und monetäre Analysen in der Bundesbank. Zudem galt er als wichtiger Berater der Bundesbank-Spitze in volkwirtschaftlichen Fragen. Von 1999 bis 2003 war er Generalsekretär des Sachverständigenrates, davor unter anderem beim Internationalen Währungsfonds (IWF) tätig. Sein Vorgänger als Leiter der Abteilung IV im Kanzleramt, Thomas Mirow, war nach Regierungsantrittt als Staatssekretär ins SPD-geführte Bundesfinanzministerium gewechselt.

Mit dem parteilosen Weidmann zieht wirtschaftspolitischer Sachverstand ins Kanzleramt ein. „Er ist ein brillanter Kopf, wahrscheinlich der nächste Chefvolkswirt der Bundesbank“, lobte schon der Wirtschaftsweise Bert Rürup vor Jahren. Wirtschaftspolitisch steht Weidmann für eine moderne, angebotsorientierte Reformpolitik. Der Ökonom gilt aber nicht Dogmatiker. „Ihn interessieren empirische Zusammenhänge, nicht ideologische Fragen“, berichtet ein Vertrauter.

Als Generalsekretär des Sachverständigenrates hat Weidmann quantitative und empirische Methoden in die Arbeit des wichtigen wirtschaftspolitischen Beratergremiums eingeführt. Weidmann hat zudem ein Händchen dafür, komplexe wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnisse leicht verdaulich in die Öffentlichkeit zu transportieren. Unter seiner wissenschaftlichen Leitung entstand das Jahresgutachten 2002/2003 des Sachverständigenrates, das unter dem Title „20 Punkte für Beschäftigung und Wachstum“ eines der erfolgreichsten des Sachverständigenrates war. Die rot-grüne Bundesregierung nutzte einen Teil der darin gemachten Vorschläge als Blaupause für ihre „Agenda 2010“.

Weidmann gilt auch als einer der Initiatoren eines Vorschlags der Wirtschaftsweisen zum grundlegenden Umbau der Sozialhilfe und Einrichtung eines sozial abgefederten Niedriglohnsektors. Einen besonderen Bezug hat der Ökonom zu Afrika: Während seines Studiums hospitierte er im Wirtschaftsministerium und bei der Zentralbank von Ruanda. Als er für zwei Jahre als Volkswirt beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington arbeitete, verbrachte er die Hälfte der Zeit in der Afrika-Abteilung des Fonds. Als Generalsekretär des Sachverständigenrates initiierte Weidmann ein Projekt in Angola: Die deutschen Wirtschafweisen halfen dort beim Aufbau eines Sachverständigenrates nach deutschem Vorbild.

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