Personalwechsel
Vorfahrt für Frauen in Aufsichtsräten

In den Kontrollgremien der größten deutschen Konzerne kündigt sich ein umfassender Personalwechsel an. 77 Posten müssen die Dax-Unternehmen 2013 neu besetzen. Chancen bieten sich dabei besonders für Frauen.
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DüsseldorfDie Ära des mächtigsten deutschen Aufsichtsrats neigt sich dem Ende zu. Manfred Schneider, ehemals Bayer-Chef und Multiaufsichtsrat, wird in vier Wochen den Vorsitz des Bayer-Kontrollgremiums abgeben. Nach Informationen des Handelsblatts könnte der dann 74-Jährige 2013 auch als Chefkontrolleur bei RWE und Linde abtreten.

Schneiders Rückzug wäre der spektakulärste, aber bei weitem nicht der einzige. Denn noch nie endeten in einer Hauptversammlungssaison so viele Aufsichtsmandate wie im nächsten Jahr. 2013 wird damit zum Superwahljahr. 77 Neubesetzungen stehen bei den Dax-Konzernen an. Das entspricht rund einem Drittel aller Aufseher der Kapitalseite.

Bei Personalberatern herrscht deshalb Hochkonjunktur. „Die Unternehmen wollen die Vielfalt im Kontrollgremium erhöhen, mit jüngeren und internationalen Managern“, sagt Hubertus Graf Douglas, Deutschland-Chef von Korn-Ferry. Vor allem aber suchten die Firmen Frauen.

Und das nicht ganz freiwillig: Die Bundesregierung droht mit gesetzlichen Quoten von bis zu 40 Prozent, sollten die Konzerne sich nicht selbst auf einen höheren Frauenanteil verpflichten. „In keinem Kundengespräch wird das Thema Frauen ausgelassen“, sagt Personalberater Thomas Tomkos von Russell Reynolds.

Auch die EU-Kommission macht Druck, mehr Frauen in Aufsichtsräte zu wählen. Die Europäische Kommission will Ernst machen in Sachen Frauenquote, berichtet die Nachrichtenagentur dapd. Justizkommissarin Viviane Reding plant für den Herbst eine Richtlinie, die die 27 EU-Staaten zur Einführung einer gesetzlichen Regelung verpflichtet. Dann werde als bindendes Ziel ausgegeben, dass "40 Prozent aller Aufsichtsräte dem unterrepräsentierten Geschlecht angehören müssen. Dieses Ziel gilt für börsennotierte Unternehmen und muss bis 1. Januar 2020 umgesetzt werden", heißt es in dem Entwurf, wie die "Welt am Sonntag" berichtet. Halten sich die Firmen nicht an die Vorgaben, drohen Strafen: Bußgelder, der Entzug staatlicher Subventionen oder der Ausschluss von öffentlichen Wettbewerben.

Während Familienministerin Kristina Schröder für eine freiwillige "Flexi-Quote" wirbt, unterstützt Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (beide CDU) Redings Plan: "Wenn die Länder Europas international wettbewerbsfähig bleiben wollen, dann geht das nicht ohne Frauen an der Spitze", sagte sie.

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  • Viviane Reding ist schon mehrfach wegen praxisfremder
    Theorien, zuletzt mit ihren Rechtsvorstellungen, welche
    aus der Zeit des Faustrechts stammen könnten, aufge-
    fallen. Posten lassen sich weder nach Geschlecht noch
    nach Quoten besetzen, sondern allein nach der Befähigung
    der Leistung und des Könnens der Bewerberin oder des
    Bewerbers, wofür sie in ihrer Position, genau wie
    Catherine Ashton ein negatives Beispiel abgeben dürfte,
    wie man an den abgelieferten Ergebnissen sehen kann!

  • Die EU-Kommission plant eine Zuteilung von Jobs anhand der Qualifikation "Ausprägung der primären Geschlechtsorgane", während die Menschen in freien Ländern sich weiterhin für die Jobs entscheiden, die ihren Neigungen entsprechen.

  • @leo
    So kann man dies natürlich auch Formulieren.
    Frauen achten mehr auf Sozialstrukturen und Männer gehen mehr Risiken ein.
    Aber was ist daraus die Schlußfolgerung für die deutsche Wirtschaft?
    Das Einzige was ich da sehe, sind die Resultate.
    sprich, keine weibliche Führungskräfte und Ärger ist, fünf Frauen in einem Büro.

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