Peter Hintze, Thomas Enders Der Pastor und der Offizier

Den deutschen Koordinator für Luft- und Raumfahrt Peter Hintze und den Airbus-Chef Tom Enders trennen Welten. Gerade bei ihrer Einstellung zur Führung von EADS wird dieser Unterschied sichtbar.
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EADS-Chef Tom Enders. Quelle: dpa

EADS-Chef Tom Enders.

(Foto: dpa)

Berlin, MünchenThomas Enders und Peter Hintze verhehlen ihre gegenseitige leidenschaftliche Abneigung selten. Airbus-Beschäftigte erinnern sich gerne an eine Betriebsversammlung voreinigen Jahren. Der Airbus-Chef und der damals frisch von Kanzlerin Angela Merkel ernannte Koordinator für die Luft- und Raumfahrt diskutierten auf offener Bühne die Zukunft des Flugzeugbauers. Irgendwann konnte Enders nicht mehr an sich halten: "Leiten Sie doch das Unternehmen!" entfuhr es ihm. "Warum nicht?!" frotzelte Hintze.

Heiterkeit und Applaus der Arbeitnehmervertreter waren Hintze gewiss, hat er doch die deutschen Standorte und die Arbeitsplätze im Blick. Dem Airbus-Chef Tom Enders schwante indes: Mit dem ehemaligen Pastor Hintze wird es schwierig. Seitdem kommt es regelmäßig zu Konflikten zwischen dem Merkel-Vertrauten Hintze und dem Merkel-Kritiker Enders. Erstrecht, seit Hintze in einem geharnischten Brief an Enders ultimativ mehr Arbeitsplätze und mehr Investitionen für die deutschen Airbus-Standorte forderte. Gestern schritt die Kanzlerin ein.

"Die Führung des EADS-Konzerns und Herr Enders persönlich genießen das Vertrauen der Bundesregierung", ließ Merkel ihren Sprecher sicherheitshalber verkünden. Auch politisch haben Enders und Hintze wenig gemeinsam: Hintze ist ein Paladin Merkels, Enders hat sein CSU-Parteibuch vor zwei Jahren zurückgegeben. Merkels Schlingerkurs in der Libyen- und der Energiepolitik sollen den Ausschlag für den symbolträchtigen Schritt gewesen sein. Doch die beiden werden noch enger zusammenarbeiten müssen, wenn Enders in diesem Jahr Louis Gallois an der Spitze des Airbus-Mutterkonzerns EADS ablöst. Hintze fädelt zurzeit den Einstieg der staatseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau bei dem Luft- und Raumfahrtkonzern ein. "Ich halte das für den völlig falschen Weg", sagt Enders dazu.

Denn nach Frankreich und Spanien wird dann auch Deutschland - und damit Hintze- wieder direkten Einfluss auf den Flugzeugbauer ausüben können. Der Hintze-Brief, der dem Handelsblatt vorliegt, zeigt, wie wenig Vertrauen zwischen den beiden herrscht. In Berlin heißt es, sowohl im Kanzleramt als auch in Toulouse gehe man davon aus, dass der Brief von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer an die Öffentlichkeit lanciert worden sei.

Enders will nach Qualität besetzen, nicht nach Nation
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5 Kommentare zu "Peter Hintze, Thomas Enders: Der Pastor und der Offizier"

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  • Herr Enders sollte sich mal den Konkurrenten Boeing ansehen und sich vorstellen, die Amerikaner ließen sich da von irgendwelchen Franzosen stückchenweise diesen Schlüsselkonzern aus den Fingern winden und nach Frankreich verlagern.

    Da wäre Washingthon ganz schnell auf dem Plan und ein Herr Gallois könnte sich diese "Einmischung" soviel verbitten, wie er wollte.

    Die Fakten sprechen doch längst für sich und sind das Resultat davon, daß sich Berlin ganz im Gegensatz zu Paris die letzten 10 Jahre aus EADS weitgehend herausgehalten hat. Dieser Ansatz ist doch gescheitert, Herr Enders!

    Wenn die Parität zwischen Deutschen und Franzosen von Herrn Enders nicht nur nicht wieder hergestellt wird, sondern noch weiter zu Gunsten Frankreichs beeinträchtigt wird, sollte die Bundesregierung ganz massiv dazwischen gehen, um diesen Spuk gegen die Vereinbarungen schleunigst zu beenden.

  • Enders möchte mit den dicken Subventionen aus DE machen was er will, undvor allem das Geld nicht in DE ausgeben. Hintze versucht nur noch die letzten paar Euros zu retten. Das Know How habend die Franzosen eh weitgehend aus DE abgezogen. Die Deutschland Beschäftigten bekommen sehr bald die EU Dividendenmitteilungen in form von Kündigungen zugestellt.

  • Hintze steht doch genau im Zug der Zeit. Wenn es Quoten gibt für alles mögliche, vor allem die Frauenquote, ist eine Quotierung nach Nationaltät, Religionszugehörigkeit, Hautfarbe usw. absolut konsequent.

  • Wenn Herr Enders ernsthaft glaubt, dass EADS ein "normales" Unternehmen ist, dann wäre das naiv. Wenn er ein "normales" Unternehmne führen will, dann soll er zu einem Feuerlöscher-Produzenten gehen oder zu einer Firma für Gartenmöbel. Da gibt es tolle Anbieter. Im Ernst: In jedem Konzern für Flugzeuge und Waffentechnik gibt es berechtigte nationale Interessen. Und diese nationalen Interessen sind hart mit den Partnern (Staaten haben keine Freunde) auszuhandeln.

  • Pastor Hintze´s Forderung der Personalauswahl nach Pass ist Quatsch. Da hat Herr Enders wahrlich Recht und hat NIEMAND auch nicht die französische Politik zu bestimmen (war aber leider immer der Fall). ABER- die Hauptsitzkonzentration von EADS ist eine rote Linie! Hier muss der Bund hart bleiben und fordern: EADS wird in München konzentriert, dafür hat Frankreich bereits die 3 Töchterhauptsitze in Frankreich.

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