Peter Kloeppel wird Chefredakteur
Marc Conrad übernimmt das Kommando bei RTL

Wenn Marc Conrad zum Amtsantritt durch die Kölner RTL-Büros an der Aachener Straße streift, wird er viele bekannte Gesichter treffen. Der neue RTL- Geschäftsführer, der jetzt die Nachfolge von Gerhard Zeiler antritt, stand selbst bis 1998 in Diensten des Kölner Privatsenders.

HB HAMBURG. Der Luxemburger war als Programmdirektor für sämtliche Programmplätze außerhalb des Bereichs Information zuständig. Jetzt trägt der 44- jährige Manager die Gesamtverantwortung.

Conrad hat sich vor dem Neueinstieg Redeverbot erteilt. „Ich habe jetzt fünf Jahre meine eigenen Filme und Serien produziert“, sagt er. „Es ist albern, gescheit daher zu reden, bevor ich nicht mit den RTL- Mitarbeitern über ihre Pläne und Ziele gesprochen habe.“ Fragen gibt es an den neuen Mann an der Spitze genug: Zum Beispiel, mit welchen Strategien er RTL wieder zu der Marktführerschaft verhelfen will, die der Sender einst innehatte und in diesem Jahr ausgerechnet an „die alte Tante ARD“ („Stern“) abgeben musste. Doch an diesem Punkt zieht sich der sonst quirlige und redegewandte Conrad diskret zurück.

Bekannt ist, dass RTL mit einigen Formaten, die in diesem Jahr für den erneuten Durchbruch nach oben sorgen sollten, kein Glück hatte. Doch auch wenn Marc Conrad das richtige Händchen für sein Geflecht aus Infotainment, Serien und Shows haben sollte, bleibt ein grundsätzliches Problem bestehen: Hat das Fernsehen, vor allem das offensive Privatfernsehen mit seinem Drang zu Umsatz und Unterhaltung, noch die Strahlkraft wie vor zehn Jahren, als das Internet und seine Versuchungen praktisch noch in den Kinderschuhen steckten?

Klar ist in der Branche dennoch, dass einzig Marc Conrad, der mit 24 Jahren zu RTL stieß, der richtige Mann sein muss, um Trends zu setzen: Als Programmdirektor feierte er Erfolge und steckte Rückschläge ein, aus denen er lernte. Als Chef seiner Produktionsfirma Typhoon Networks punktete er mit Filmen wie „Das Experiment“ oder „Das Zimmermädchen und der Millionär“ (für Sat.1), fuhr aber auch das RTL-Format „Mein Morgen“ an die Wand. Sein Erfahrungsschatz aus Erfolgen und Rückschlägen macht ihn wertvoll, lässt aber auch die Erwartungen ungemein steigen.

Conrads Vorgänger, Gerhard Zeiler, künftig ausschließlich Vorstandsvorsitzender der RTL Group, musste den Rückgang der Marktanteile in den vergangenen Monaten verkraften. Gleichwohl hat er 2003 mit einem Gewinn von 261 Mill. Euro den Sender gut durch ein schwieriges Fahrwasser geführt. Conrad wird sich ums Programm kümmern: Möglicherweise wird er die brach liegende Filmproduktion des Senders wieder ankurbeln, neue Serien entwickeln, nicht nur im Comedybereich. Auch neue Shows sind gefragt, und dabei nicht nur „Retrotainment“ aus den 70er oder 90er Jahren und ultimative Chartshows.

Ein wenig entgegen kommt Conrad zur Zeit die Entwicklung bei den Konkurrenzsendern. Denn Sat.1-Geschäftsführer Roger Schawinski, seit Dezember 2003 im Amt, hat bislang keine Zeichen gesetzt. Anke Engelkes Late Night Show, „Kämpf um Deine Frau“ und „Klatsch TV“ fielen beim Publikum durch. Der Schweizer Medienmann, lästerte die TV-Szene, habe nach seinem Umzug nach Deutschland Fehler gemacht, die hierzulande bereits in den neunziger Jahren begangen wurden. Der neue ProSieben-Chef Dejan Jocic befindet sich noch in der Orientierungsphase - aber er wird auch schon am Flop von „Hire or Fire“ gemessen.

Früher machte wegen seiner radikalen Entschlüsse ein hässlicher Begriff über Marc Conrad die Runde: In der Belegschaft kursierte der Spitzname „Stalin“. „Das ist Schnee von gestern“, kommentieren Beobachter. Mit dem Wechsel Zeiler/Conrad gehen weitere personelle Veränderungen bei RTL einher: Peter Kloeppel wird Chefredakteur, Ingrid Haas Informationsdirektorin. Hans Mahr, vorher für beides zuständig, verlässt das Haus. Gut für Conrad, denn mit ihm hatte der neue Geschäftsführer während seiner RTL-Zeit bis 1998 die heftigsten Sträuße auszufechten.

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