Peter Löscher
Nett, neu und unterschätzt

Der bis vor vor kurzem nahezu unbekannte Peter Löscher übernimmt am Montag die Führung des Münchener Weltkonzerns Siemens. Er verspricht Evolution statt Revolution und lobt viel und gerne – eine Zeitenwende? Der Österreicher hat bereits erste Marken im Unternehmen hinterlassen.

MÜNCHEN. Es riecht neu im vierten Stock der Siemens-Zentrale. Das ist der rote Teppichboden, frisch verlegt und derart dick, dass beim Durchwaten des Gewebes der Eindruck entsteht, schon hier, an der Schwelle zur Macht, baue sich Hochspannung auf. Das passt. Bei Siemens, dem skandalgeschüttelten Weltkonzern, ist eine neue Zeit angebrochen. Seit vergangener Woche ist Peter Löscher da, in der Beletage hat er das Besucherzimmer bezogen. Auch das ist eine Demonstration. Denn noch sitzt Klaus Kleinfeld, sein Vorgänger, ein paar Schritte entfernt im Büro des CEO, noch 24 Stunden. Dann wird renoviert. Erst am Montag fängt die neue Ära wirklich an. Sein Vertrag gilt für fünf Jahre.

Zwei Mal hat der designierte Vorstandschef in den vergangenen Wochen eine Rede gehalten, bei seiner Vorstellung im gleißenden Sonnenlicht vor der Siemens-Zentrale und an diesem Dienstag, halb offiziell, am Rande des Mediengipfels des Unternehmens. Wer beide Auftritte verfolgt hat, der erlebte einen schlanken und ruhigen Herren, dem etwas Filialleiterhaftes eigen ist.

Stramm stand er da, hoch gewachsen. Beim zweiten Blick dämmert es: der Ausnahmezustand bei Siemens ist vorbei, dieser Mann hat das Zeug, den Konzern nach den verheerenden Wochen der Kleinfeld-Endzeit in neue und ruhigere Gefilde zu steuern. „Mein erstes Thema ist Vertrauen“, sagt er. Mit so einem geht man gerne in die Berge.

In den vergangenen Wochen ist manches bekannt geworden über den vermeintlichen Niemand, den Aufsichtsratschef Gerhard Cromme vom Pharma-Riesen Merck nach München holte. Für Siemens ist es ein Einschnitt, selten waren Erwartungen und Befürchtungen derart auf eine Personalie konzentriert. Wer also ist dieser Mann?

Löschers Wurzeln

Peter Löscher, geboren am 17. September 1957 in Villach, Kärnten, der Vater Sägewerksbesitzer, gutbürgerlich, bodenständig. Doch der Sohn verweigert sich dem väterlichen Unternehmen, es zieht ihn hinaus in die Welt, das habe er schon als Kind gewollt, erzählt seine Mutter. Während er es als Sportler bis zum Kapitän der österreichischen Volleyball-Nationalmannschaft bringt, absolviert er in Wien ein Wirtschaftsstudium, er geht nach Harvard, bekommt ein Stipendium in Hongkong.

Diese Erfahrung prägt ihn, auch wenn er seine Karriere ausgerechnet in Gummersbach beginnt, bei Jochen Kienbaum, dem Personalberater. „Ein ruhiger, konzentrierter Mensch, der sehr gut zuhören kann“, sagt Kienbaum. Löscher sei immer international gewesen. Sein allergrößter Vorteil sei aber, dass er Menschen für sich einzunehmen verstehe. Ähnlich positiv reden fast alle über Löscher.

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