Peter Moore
Microsoft verliert einen Enthusiasten

Der derzeitige Chef der Microsofts Sparte Interactive Entertainment, Peter Moore, wechselt zum Softwareriesen Electronic Arts. Der frühere Profi-Fußballer wird dort ab September die Leitung der Sportsparte übernehmen. Moores Nachfolger bei Microsoft, Don Mattrick, bleibt nun kaum Zeit zur Einarbeitung, um das Weihnachtsgeschäft nicht zu gefährden.

DÜSSELDORF. Wer wissen will, wie ernst Peter Moore eine Aufgabe nimmt, muss ihn nur bitten, die Ärmel hochzukrempeln. Unübersehbar prangt auf dem rechten Oberarm des 52-Jährigen ein schwarzes Tattoo mit der Inschrift „Halo 2“. Das hat sich der Noch-Chef von Microsofts Sparte Interactive Entertainment 2004 zum Start des wichtigsten Videospiels seines Arbeitgebers einritzen lassen.

Aber selbst diese Loyalitätsbekundung hat den Softwareriesen Electronic Arts (EA) nicht davon abgehalten, den gebürtigen Briten für ein Gehalt von 550 000 Dollar, ein sattes Bonuspaket samt Antrittsgeld von 1,5 Mill. Dollar und eine Umzugsbeihilfe von 330 000 Dollar aus dem kalten Redmond im US-Bundesstaat Washington zurück ins kalifornische Silicon Valley zu holen. Der frühere Profi-Fußballer wird ab September die Leitung der Sportsparte (Fifa 08, Madden NFL) von EA übernehmen. Ob auch eine Entfernung des Tatoos bezahlt wird, ist nicht bekannt.

Moore kam 2003 zu Microsoft, nachdem er als President von Sega USA miterleben musste, wie sein Arbeitgeber von Sony mit der Playstation unter Führung von Ken Kutaragi pulverisiert worden war. Segas „Dreamcast“ verschwand 2001 vom Markt. Der Kampf gegen Kutaragi war für den Manager mit Stromberg-Bärtchen und schütterem Haar eine persönliche Angelegenheit, sagen Mitarbeiter. Damals musste er viele Freunde entlassen, die mit ihm vom Sportartikler Reebok zu Sega gewechselt waren. Sie wurden „gedreamcasted“, so ein geflügeltes Wort. Moore habe das Kutaragi nie vergessen.

Der Manager mit einem Masters Degree der California State University pflegt einen offenen und persönlichen Umgangston und gilt als ausgesprochen integrativ. Er verordnete Microsoft mehr Spaß statt Technik und nahm – aber ohne Erfolg – den Kampf mit Sony in Japan auf. Unter in Kaufnahme von über vier Milliarden Dollar Anlaufverlusten gelang es jedoch, die Xbox in den USA zu etablieren. Moore beendete eine Feindschaft zwischen Microsoft und EA, als es um die Zukunft des Online-Gamings ging, und überredete EA, bei Microsofts Web-Plattform „Xbox live“ einzusteigen. Ende 2006 dann der persönliche Triumph: Sonys Kutaragi wurde nach dem verpatzten Start der PS3-Konsole – laut Sony-Chef Howard Stringer das „wichtigste Produkt des Konzerns“ – entmachtet.

Aber jede Medaille hat zwei Seiten. Seine Fixierung auf den Feind aus Tokio hat Moore lange blind gemacht für die heraufziehende Gefahr aus Kyoto. Nintendos Wii überrollt seit Ende 2006 wie eine Dampfwalze den Markt und könnte nach Analystenmeinung schon kommendes Jahr die Xbox 360 in den USA überholen. Die Zahlen sprechen Bände: In 19 Monaten verkaufte Microsoft in den USA knapp 5,6 Mill. Xbox 360 – in ganzen sieben Monaten brachte Nintendo-Legende Satoru Iwata trotz anhaltender Lieferproblem 2,8 Millionen Wii unters amerikanische Volk.

Trotzdem: Analysten sind sich sicher, dass Moore auch der Richtige gewesen wäre, um sich nun Nintendo zur Brust zu nehmen. Moores Nachfolger bei Microsoft, Don Mattrick, bleibt kaum Zeit zur Einarbeitung, um das Weihnachtsgeschäft nicht zu gefährden. Dieses Jahr werden erstmals alle drei Hauptkonkurrenten mit voller Wucht aufeinander treffen, und Beobachter sind sich einig, dass die Vorentscheidung fallen wird, wer als Sieger aus dem Krieg um diesen milliardenschweren Markt hervorgehen wird.

Peter Moore schaut sich das Spektakel bald vom Logenplatz aus an. Seine Aufgabe wird nun sein, EAs ohnehin schon erfolgreichen Sportspiele auf allen drei Konsolen und auf dem PC weiter zu etablieren.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%