Peter Sands
Ein Banker, der noch lächeln kann

Peter Sands ist Chef der britischen Großbank Standard Chartered. Bisher hat er das Institut erfolgreich durch die Krise gesteuert. Auf Statussymbole scheint er keinen großen Wert zu legen. Statt einer Rolex eine simple Swatch mit Plastikarmband am Armgelenk. Auch sonst unterscheidet sich der agile und mit einem gesunden Hang zur Selbstironie ausgestattete Manager vom Klischee des statusbewussten und seriösen Bankers.

LONDON. Sands lebt mit seiner Familie nicht in den vornehmen Londoner Vierteln Chelsea oder Kensington, sondern im bodenständigen Highbury im Norden der Stadt. Seine Ferien verbringt er nicht an der Côte d'Azur oder in der Karibik, sondern am liebsten in seinem kleinen Cottage in Wales.

Aber Sands führt schließlich auch eine etwas ungewöhnliche Bank. Das Hauptquartier von Standard Chartered liegt zwar mitten in der Londoner City, und die Aktie ist an der Londoner Börse notiert, aber das Geldhaus unterhält auf der Insel keine einzige Filiale. Sands' Bank konzentriert sich seit jeher auf Asien, Afrika und dem Nahen Osten. Und dieses Engagement auf den wachstumsstarken Emerging Markets hat dafür gesorgt, dass Standard Chartered bislang besser durch die Kreditkrise kam als die meisten Konkurrenten.

Kein anderes Geldhaus betreibt mehr Bankfilialen in Indien, als Sands' Arbeitgeber, und auch im Privatkundengeschäft in Hongkong und in der internationalen Handelsfinanzierung ist Standard Chartered eine fixe Größe. Allerdings macht das Geldhaus auch Geschäfte mit Simbabwe, dem afrikanischen Land, das von Diktator Robert Mugabe schikaniert wird, und dieses Engagement hat bereits zu Protesten geführt.

Die Aktionäre allerdings haben wenig Grund, sich zu beschweren. In den vergangenen zwölf turbulenten Monaten hat die Aktie von Standard Chartered lediglich sieben Prozent an Wert verloren. Während die meisten Konkurrenten 2008 unter den Folgen der Finanzkrise ächzten, steigerte Sands' Institut die Einnahmen um mehr als ein Viertel auf 14 Mrd. Dollar, und der operative Gewinn kletterte um 13 Prozent auf 4,5 Mrd. Dollar. Auch im ersten Quartal 2009 konnte Sands seinen Aktionären, ohne genaue Zahlen zu nennen, Rekorde bei Einnahmen und Gewinn in Aussicht stellen.

Mittlerweile hat sich Standard Chartered gemessen am Börsenwert auf den dritten Rang der britischen Großbanken vorgeschoben. An der Konzentration auf die Emerging Markets will Sands aber trotzdem nichts ändern. "Man braucht eine sehr klare Strategie und muss daran unglaublich diszipliniert festhalten", sagte er vor kurzem in einem Interview. Banken, die in Gebiete abdriften, die sie weniger gut kennen, drohe in diesen schwierigen Zeiten großer Ärger.

Der Sohn eines Marineoffiziers und einer Künstlerin hat aber nicht nur das Schicksal von Standard Chartered entscheidend geprägt. Sands und sein Finanzvorstand Richard Meddings haben die Blaupause entwickelt, nach der die britische Regierung im Herbst 2008 die Rettung des heimischen Bankensektors organisierte, und die später von vielen Ländern kopiert wurde. Mit den Regeln der hohen Politik ist Sands bestens vertraut. Schließlich startete er seine Karriere im britischen Außenministerium, bevor er sich von der Unternehmensberatung McKinsey abwerben ließ und 13 Jahre später endgültig ins Bankfach wechselte.

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