Peter Sawicki
Pharmakritiker steht mit dem Rücken zur Wand

Für die Pharmaindustrie ist er ein rotes Tuch: Peter Sawicki, Chef des vor fünf Jahren gegründeten Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG), hat der Branche in den vergangenen Jahren das Leben schwergemacht. Doch nun wackelt der Stuhl eines der mächtigsten Männer im deutschen Gesundheitswesen.
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HB BERLIN. Der 52-jährige ehemalige Oberarzt und bekennende Pharma-Kritiker nimmt seinen Job, Medikamente auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen, bitter ernst. So sorgte er im Zusammenspiel mit dem für den Leistungskatalog der Krankenkassen zuständigen gemeinsamen Bundesausschuss dafür, dass künstliche Insuline wegen mangelnden Zusatznutzens von den Kassen nicht mehr bezahlt werden müssen.

Dass Sawicki jetzt massiv in der Kritik steht, hat nichts damit zu tun, weil die schwarz-gelbe Bundesregierung die fachlich umstrittene Arbeit des Instituts auf den Prüfstand stellen will.

Sawicki droht vielmehr seine selbstherrliche Amtsführung zum Verhängnis zu werden. Bereits vor zwei Jahren musste er sich mit Vorwürfen auseinandersetzen, Aufträge an Fremdfirmen nicht ordnungsgemäß vergeben zu haben. Damals kam er mit einer Ermahnung davon.

Jetzt stehen neue Vorwürfe im Raum. Sawicki soll Privatausgaben als Spesen abgerechnet haben. Von weiteren Unregelmäßigkeiten bei der Auftragsvergabe ist die Rede. Sawicki selbst räumte Ende November per Brief an den IQWIG-Vorstand mögliche Fehler ein und beauftragte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO mit einer Sonderprüfung. Die soll nun abgewartet werden, bevor im Januar der Vorstand - in dem Kassen, Ärzte, Kliniken und das Gesundheitsministerium vertreten sind - entscheidet, ob Sawickis 2010 endender Vertrag verlängert wird. Bestätigen sich die Vorwürfe, hieß es gestern selbst bei den Sawicki nahestehenden Kassen, sei er nicht mehr zu halten.

Kommentare zu " Peter Sawicki: Pharmakritiker steht mit dem Rücken zur Wand"

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  • Sawicki hat sich mit seiner Arbeit nicht nur die Pharmaindustrie zum Feind gemacht. Er ist auch ein vehementer Vertreter des auf Solidarität basierenden gesetzlichen Krankenversicherungssystems.

    Damit stellt sich Sawicki gegen die im Koalitionsvertrag beschriebene neue Orientierung im Gesundheitswesen.

    Mehr dazu unter:
    http://zwischenzeit.de/blog/2009/12/09/pharmaindustrie-versicherungswirtschaft-und-arbeitgeber-sagen-gemeinsam-am-stuhl-von-peter-sawicki/

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