Peter Thiel
Der smarte Sonnyboy

Der Gründer des kalifornischen Hedge-Fonds Clarium Capital Management, Peter Thiel, hat seinen Geldgeber hohe Renditen beschert. Thiels aktuelle ökonomische Weltsicht entspricht jedoch nicht unbedingt seinem sonnigen Charakter. Er glaubt, dass die Weltwirtschaft auf der größten Liquiditätsblase aller Zeiten sitzt, und aus der muss irgendwann die Luft entweichen.

LONDON. Müsste man ein Idealbild des „All American Boy“ zeichnen, dann stünden die Chancen ziemlich gut, dass es eine gewisse Ähnlichkeit mit der Physiognomie von Peter Thiel aufwiese: kurze dunkelblonde Haare, blaue Augen, ein kantiges Gesicht und ein scheinbar unauslöschliches Dauerlächeln. Tatsächlich entspricht die beinahe mühelos anmutende Karriere des 39-Jährigen diesem sonnigen Image bislang ziemlich exakt.

Thiels Begeisterungsfähigkeit und Mitteilungsbedürfnis erinnern an einen großen Jungen, der gerade ein neues Spielzeug entdeckt hat. In diesem Fall ist das Spielzeug, das sich der Amerikaner mit deutschen Wurzeln vor fünf Jahren quasi selbst zum Geschenk gemacht hat, ein eigener Hedge-Fonds mit dem Namen Clarium, der inzwischen immerhin zwei Milliarden Dollar verwaltet. Manche Investoren sehen in dem Wunderkind, das während des großen Techbooms vor der Jahrtausendwende reich wurde, bereits den nächsten George Soros.

Wie der legendäre Fondsmanager, der Anfang der 90er-Jahre das britische Pfund aus dem europäischen Währungssystem herausspekulierte, hat Thiel eine ausgesprochen ausgeprägte Weltsicht, wenn es um die Lage der globalen Ökonomie geht. Und wie Soros setzt er das Geld seiner Kunden darauf, dass diese Meinung richtig ist. Clarium Capital wettet auf langfristige ökonomische Trends – im Fachjargon heißt diese Strategie „Global Macro“ – und setzt dafür alle Arten von Finanzinstrumenten ein, von Rohstoffen über Devisen, Aktien und Anleihen bis zu Derivaten jeglicher Couleur.

Doch zurück zum Anfang: Thiel wird 1967 in Frankfurt geboren, lebt dort aber nur kurz. Dank der Reiselust seines Vaters, eines Ingenieurs, besucht er Schulen in den USA, Namibia und Südafrika. Die Odyssee endet schließlich in Kalifornien. Nach der High-School studiert Thiel Philosophie und Jura in Stanford und gründet nebenbei die konservative Wochenzeitung Stanford Review. Es folgt ein kurzes Zwischenspiel als Anwalt; danach wechselt Thiel als Händler zur Investmentbank Credit Suisse. 1998 gründet er seinen ersten eigenen Hedge-Fonds.

Doch nur wenige Monate später, an einem heißen Sommertag im August, ändert sich Thiels Karriere schlagartig. Bei einem Vortrag über internationale Finanzströme in Stanford trifft er den Informatikstudenten Max Levchin. Der will, wie so viele damals, ein Internet-Unternehmen gründen. Nur wenige Wochen später hängt Thiel seine Hedge-Fonds-Karriere an den Nagel und steigt mit rund einer viertel Million Dollar als Vorstandschef bei Levchins blutjunger Firma ein – einem Online-Bezahldienst namens Paypal.

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