Peter Vest
Yello verliert seinen Chef

Peter Vest verlässt überraschend die Tochter des drittgrößten deutschen Energiekonzerns EnBW - Nachfolge bleibt noch offen

STUTTGART.Der Stromanbieter Yello, der durch seine aggressive Werbung bekannt ist, verliert seinen Chef. Der seit 2006 amtierende Sprecher der Geschäftsführung, Peter Vest, verlasse das Unternehmen Ende August, teilte die Karlsruher Muttergesellschaft EnBW mit. Der 46-Jährige scheide auf eigenen Wunsch aus und wolle künftig eine unternehmerische Aufgabe im Marketing und Vertrieb übernehmen.

Der promovierte Betriebswirt war vor seinem Einstieg bei der EnBW bereits als Geschäftsführender Gesellschafter der Marketing-Agentur InterCom unternehmerisch unterwegs. "Es wird wieder etwas in Richtung Unternehmensberatung sein", sagte Vest dem Handelsblatt. Mehr könne er jetzt noch nicht sagen. Er betonte, dass es keine Querelen mit EnBW-Chef Hans-Peter Villis gab, der bereits einige Führungskräfte in seiner Amtszeit austauschte.

Vest war vom damaligen Marketingvorstand Detlef Schmidt, einem Vertrauten des Ex-EnBW-Chefs Utz Claassen, im Jahr 2003 zum drittgrößten deutschen Energiekonzern geholt worden. Vest ist eng mit dem Aufstieg der Marke Yello verbunden, die mit der Einführung des intelligenten Stromzählers zuletzt für Furore sorgte: Die Kunden können online ihren Verbrauch kontrollieren.

Vest behielt auch unter dem umstrittenen EnBW-Chef Utz Claassen seinen eigenen Kopf, was ihm schon damals in dem von Claassen straff geführten Konzern nicht immer zum Vorteil gereichte. Dass Vest noch aus der Zeit des Vorgängers stammt, soll kein entscheidender Malus gewesen sein. Villis, seit Oktober 2007 EnBW-Chef, hielt an Vest fest. Beide bevorzugen eine direkte Art. Atmosphärische Störungen soll es zwischen den beiden nicht gegeben haben, wie auch von anderer Seite im Konzern zu hören ist. Ein Aufstieg in den Konzernvorstand blieb ihm allerdings versperrt, weil Villis nach Ausscheiden von Marketingvorstand Schmidt das oberste Führungsgremium von sechs auf fünf Mitglieder verkleinerte und die Marketingposition nicht wieder besetzte.

Auch bei den anderen Töchtern gab es Wechsel. Vor zwei Wochen wurde Stefan Thiele, 43, zum Sprecher der Geschäftsführung der EnBW Erneuerbare Energien ernannt und damit das Management komplettiert. Bereits im Oktober 2008 wurden Werner Götz als technischer Geschäftsführer und Dirk Güsewell als kaufmännischer Geschäftsführer bestellt.

Einen Nachfolger für Vest als Yello-Chef gibt es noch nicht. Eine Entscheidung dürfte aber bald fallen, denn Vest sprach gegenüber dem Handelsblatt von einer "sauberen Amtsübergabe" bis zum 1. September. Yello vertreibt seit 1999 bundesweit als Wiederverkäufer Strom und zählte zuletzt rund 1,5 Millionen Kunden. Ende 2007 startete Yello mehrere Pilotprojekte zum Verkauf von Gas.

"Vest hat maßgeblichen Anteil daran, dass die EnBW ein eigenständiges und unverwechselbares Gesicht hat", lobt Villis den scheidenden Manager zum Abschied.

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