Peter Voser
Neuer Shell-Chef greift durch

Peter Voser ist noch nicht offiziell im Amt. Dennoch baut er schon das Topmanagement um: Gas-Chefin Linda Cook muss überraschend gehen.

LONDON. Noch hat Peter Voser die Macht nicht offiziell übernommen. Doch schon jetzt wirbelt der designierte Vorstandschef des Ölmultis Royal Durch Shell mächtig herum. Anfang Juli wird der bisherige Finanzvorstand an die Spitze des Konzerns rücken und Vorstandschef Jeroen van der Veer ablösen, aber bereits gestern wurde klar, dass Voser eine neue Führungsmannschaft aufbauen will.

Völlig überraschend gab Linda Cook, die im Shell-Vorstand für das Gasgeschäft verantwortlich ist, ihren Rücktritt bekannt. Die 50-Jährige, die seit fast 30 Jahren für den Ölmulti arbeitet, galt als eine der aussichtsreichsten Kandidaten im Rennen um die Nachfolge von Vorstandschef van der Veer, musste am Ende aber Voser den Vortritt lassen. Cooks Rücktritt erfolge in gegenseitigem Einvernehmen, betonte ein Shell-Sprecher, räumte aber gleichzeitig ein, dass Voser ein neues Team bilde und bei wichtigen Managemententscheidungen bereits ein wichtiges Wort mitrede.

Als Voser im vergangenen Herbst zum Vorstandschef in spe ernannt wurde, war das beinahe eine Art Tabubruch. Immerhin wird in Zukunft ein Schweizer und damit weder ein Holländer noch ein Brite den Zwei-Länder-Konzern führen. Ebenso wie sein Vorgänger hat der 50-jährige Voser eine jahrzehntelange Karriere im Shell-Reich hinter sich. Fünf Jahre in der Schweiz, acht Jahre in Großbritannien, sieben Jahre in Lateinamerika. Nach zwanzig Jahren unterbricht er dann die firmeninterne Laufbahn und wechselt als Finanzchef zum angeschlagenen Schweizer Anlagenbauer ABB, an dessen Sanierung er einen großen Anteil hatte.

Einen günstigeren Zeitpunkt zum Ausstieg bei Shell hätte Voser kaum erwischen können. Verpasste er doch so genau jene Zeit, in der Shell von Skandalen erschüttert wurde, und ein Großteil der Führungsmannschaft gehen musste, als sich herausstellte, dass der Konzern jahrelang Öl- und Gasreserven viel zu optimistisch bewertet hat. Zweieinhalb Jahre später kehrte Voser zurück und half als Finanzchef, das Vertrauen der Anleger wiederherzustellen.

Genau das wird jetzt wieder seine wichtigste Aufgabe als neuer Shell-Chef sein. Denn auf der jüngsten Hauptversammlung hat der Konzern einen deftigen Denkzettel erhalten. Mit einer klaren Mehrheit von 60 Prozent verweigerten die Aktionäre ihre Zustimmung zur Vergütung des Vorstands. Sie ärgerten sich darüber, dass das Unternehmen Boni ausschüttet, die den Vorständen eigentlich nicht zustehen würden, wenn die eigenen Kriterien präzise ausgelegt würden. Obwohl einflussreiche Aktionärsvereinigungen Kritik an den geplanten Boni geübt hatten, lehnte Shell die Änderungen ab. Übrigens: Mit ihrem Rücktritt verzichtet Gasvorstand Cook auf einen Treuebonus von 825 000 Pfund, der ihr im Jahr 2011 zugestanden hätte.

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