Peter Wesjohann
Ein Unternehmer wehrt sich gegen die ARD

Das Erste zeigt immer häufiger kritische Filme über Manager. Wiesenhof-Chef Peter Wesjohann wittert eine Kampagne gegen seine Firma und wehrt sich. Der Hühnerbaron versucht die ARD mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.
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DüsseldorfAls Peter Wesjohann den Untertitel des Beitrags erfährt, den die ARD über ihn und sein Unternehmen, den größten deutschen Geflügelproduzenten Wiesenhof, plant, ahnt der 42-Jährige, dass es mit herkömmlichen Mitteln der Kommunikation nicht getan ist: "Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und die Umwelt ausbeutet", hat der Fernsehsender seine Dokumentation betitelt, die heute um 21.45 Uhr gesendet werden soll. Und kündigt damit laut Wesjohann eine einseitige und unfaire Berichterstattung an.

Es ist Mitte Juni dieses Jahres, gut zwei Monate vor Sendung des Films. Wesjohann könnte Anwälte einschalten, gegen die Ausstrahlung klagen. Aber der Betriebswirt hat die Unternehmensgruppe PHW von seinem Vater übernommen, er beliefert die Deutschen mit 240 Millionen Hähnchen und Suppenhühnern für gut 2,1 Milliarden Euro im Jahr, manche nennen ihn Hühnerbaron - er ist ein Mann der Tat. Und er fühlt sich ungerecht behandelt, von der ARD nicht um seine Sicht der Dinge befragt. Und so beginnt Wesjohann mit dem Versuch, die ARD mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.

Er hat warnende Beispiele vor Augen. Im Frühsommer traf es den Gründer des Finanzdienstleisters AWD, Carsten Maschmeyer. Auch er beklagte unfaire Methoden der ARD, fürchtete Rufschädigung und setzte sich juristisch zur Wehr. Es folgte der Versandhändler Michael Otto, eigentlich als "guter" Unternehmer bekannt, von der ARD als Lohndrücker vorgeführt. Seine Rechtfertigungsversuche vor der Kamera wirkten hilflos, der Sender suggerierte, Otto habe etwas zu vertuschen. In diese Falle wollte Wesjohann nicht tappen.

Er ist Kummer gewohnt. Als Unternehmer, der Lebewesen industriell verarbeitet, wird man nicht zum Liebling. Und tatsächlich haben zahlreiche Skandale um Hygiene und Tierschutz dem Konzern in den vergangenen Jahren zugesetzt. Aber um die richtige Geflügelhaltungsform geht es in diesem Fall nicht. Sondern darum, wie das öffentlich-rechtliche Fernsehen sich den Unternehmern in Deutschland nähert.

Und da wachsen die Zweifel. Gerade die ARD steht in der Kritik, nur selten und wenn, dann oberflächlich und klischeehaft, über Unternehmen zu berichten. Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz argumentiert, bei den Sendern würden Wirtschaftsthemen nur in Gut und Böse unterteilt. Das mache es den meisten unmöglich, sich ein realistisches Bild zu machen. "Es gibt eine generelle Skepsis gegen die Wirtschaft", sagt Wesjohann. Anders als viele Branchenkollegen begegnet Wesjohann dem mit einem ungewohnten Rezept: "Wir beanspruchen für uns, transparent und offen zu sein", sagt er.

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Wesjohann veröffentlicht eigenen Film

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  • Bevor sich hier jemand bei dieser Silvia Tito meldet, informiert ech über diesen Scheinverein unbedingt im Internet.

    Gruss Martin Gerloch

  • ab in die hölle mit dem.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.
    http://www.handelsblatt.com/netiquette

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