Peter Wolf
Der Retter des Fernsehballetts

Eigentlich betreut er Schlagerstars wie Vicky Leandros. Doch nun will Peter Wolf das MDR-Fernsehballett zurück auf die Bühne bringen, das dem Sender zu teuer geworden ist. Ein eigenes Programm ist schon in Arbeit.
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DüsseldorfDie Wirtschaftsprüfer haben ihm abgeraten. Ein Ballett kaufen? 26 festangestellte Tänzerinnen und Tänzer? Einen Haufen alter Kostüme? Mehr als eine Million Verlust im Jahr? Peter Wolf weilte gerade auf Mauritius, als er diese Fragen zum Fernsehballett des MDR beantworten musste. Er verbrachte dort seine Flitterwochen. Seine Frau ist eine Tänzerin. Natürlich sagte er: „Ja.“

Wolf, 54, ist Inhaber der Künstleragentur Lobomedia. Er betreut Schlagerstars wie Vicky Leandros oder Carmen Nebel. Und jetzt das Deutsche Fernsehballett, eine Beine-schwingende Institution aus DDR-Zeiten, die in diesem Jahr ihren 50. Geburtstag feiert. Der MDR hat es verkauft, für den Sender lohnte sich der Betrieb nicht mehr. Warum tut Wolf sich das an? Die Truppe hat eine Personalkostenquote von 94 Prozent. Dazu kommen Ausgaben für Material, Choreografen oder Pianisten.

„Im Jahr ist das ein mittlerer sechsstelliger Verlust“, sagt Wolf. Er spricht die Summe gelassen aus, zurückgelehnt in einen Sessel, die Arme vor der Brust verschränkt. Wenn hier einer weiß, wie die Show läuft, ist es Wolf, will diese Haltung sagen. An der Wand seines Büros hängen goldene Schallplatten, auf Vinyl gepresste Zeugnisse der guten alten Zeit. Daneben ein Bild von Harald Juhnke. Es ist das Foto, das bei seiner Beerdigung am Sarg lehnte.

Juhnke war der erste Künstler, den Wolf betreute, mit ihm stieg er ein in die glitzernde Welt des Showbusiness. Eine Welt, die es so nicht mehr gibt. Große Fernsehshows mit Ballett und Orchester sind den Sendern zu teuer geworden, Filme oder Talkshows sind günstiger. Noch hat das Ballett 30 Fernsehauftritte im Jahr. Bis 2013 wird die Auftragssumme des MDR um die Hälfte schrumpfen.

Trotzdem will Wolf im nächsten Jahr mindestens eine schwarze Null schreiben. Er verhandele gerade über eine Dokusoap aus der Welt des Balletts. Die Tänzer könnten auch Werbung machen, für Mode, Sport und Lifestyle-Produkte. Dafür aber müsste die Truppe ein größeres Publikum begeistern als die alternden MDR-Zuschauer.

Sein Vorbild ist die irische Gruppe Riverdance, die mit ihren Stepptänzen ganze Arenen füllt. Das Fernsehballett könne das auch, meint Wolf, ein eigenes Programm sei in Arbeit. „Das sind hochmotivierte und erstklassig ausgebildete Tänzerinnen und Tänzer, perfekte Körper, wunderschöne Gesichter, ein eingespieltes Ensemble“, sagt er. „Das begreift ein Wirtschaftsprüfer gar nicht.“

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