Peter Wuffli
UBS und der ideale Schwiegersohn

UBS-Chef Peter Wuffli wird am Dienstag erneut gute Quartalszahlen vorlegen. Solche Präsentationen laufen immer nach dem gleichen Muster ab, denn nichts ist der Bank mehr verhasst als Überraschungen. Abends kann Wuffli dann pünktlich zur Familie heimkehren.

ZÜRICH. Die Szene, die sich bei einer Einladung der Crème de la Crème der Genfer Bankiers abgespielt haben soll und von der ein Vorstandskollege erzählt, ist wirklich schön: „Da ist der Wuffli aufgestanden“, sagt er und ist noch immer hingerissen, „und auf den Stuhl gestiegen. Der Wuffli!“ Dies soll sich zugetragen haben, als bekannt wurde, dass Peter Wuffli, Chef der Schweizer Großbank UBS, zum ersten Mal von Analysten zum Banker des Jahres gewählt worden war. Das war 2004. Seither hat er den Titel verteidigt – ebenso wie die Spitzenposition seines Instituts. Am kommenden Dienstag präsentiert Wuffli die Zahlen des dritten Quartals, die wohl wieder gut ausfallen.

Zurück zur Stuhlbesteigung. Das Unglaubliche daran ist, dass es der bescheidene Herr Wuffli ist, der den Hopser gemacht haben soll – jener Mann also, den sonst nichts dazu bringt, die Bodenhaftung zu verlieren: Nicht dass er an der Spitze einer der weltgrößten Bankkonzerne steht. Nicht dass er jährlich für seine Arbeit mit einer zweistelligen Millionen-Summe „entschädigt“ wird, wie es die Eidgenossen nennen. Und auch nicht, dass die Bank unter seiner Führung so viel verdient wie nie zuvor: Rund neun Milliarden Euro waren es im vergangenen Jahr.

Am kommenden Dienstag legt Wuffli die neuesten Zahlen vor. Solche Präsentationen laufen immer nach dem gleichen Muster ab, denn nichts ist der Bank mehr verhasst als Überraschungen. Wuffli eröffnet sie morgens um neun Uhr in schnörkellosem Englisch und stets auf die Minute pünktlich. Sein Finanzchef wartet mit den Details auf. Dann dürfen Analysten ihre Fragen stellen. Dann Journalisten. Nach knapp zwei Stunden ist die Angelegenheit erledigt: Niemand bekommt eine Extrawurst, und Wuffli kann sich zum Mittagessen anderen Dingen widmen.

Abends kann er pünktlich zur Familie heimkehren, in sein Reihenhaus unweit vom Zürichsee. Wuffli höre Opernmusik und lese spanische Literatur, heißt es. Er engagiert sich bei den „Freunden der FDP“, der freisinnig demokratischen Partei, wie die Liberalen in der Schweiz heißen. Sie passen gut zu Wuffli: Es gibt wenige Entscheidungen, die an ihnen vorbeilaufen. Aber es gibt derer nicht viele, die nach außen sichtbare Spuren hinterlassen. Wuffli sitzt auch mal abends beim Elternabend auf den unbequemen, zu kleinen Stühlen in der Schule. Oder er beteiligt sich an Straßenfesten, bringt einen Salat mit; und nur wer ihn kennt, weiß, was dieser Mann mit dem glatten, leicht angegrauten Haar und der zierlichen Brille macht, wenn er gerade nicht beim Plausch mit den Nachbarn steht. „Ein idealer Schwiegersohn“, ist die treffendste Beschreibung, die ein deutscher Banker einmal über jenen Herrn Wuffli abgab, der die Unauffälligkeit zur Kerntugend erhoben hat. „Ist Langeweile bei Ihnen Teil der Strategie?“, wird er oft gefragt. „Wenn Sie damit Kontinuität und Verlässlichkeit meinen, dann ja“, antwortet er und lächelt schmal. „Ich bin ein ruhiger Typ“, fügt er hinzu.

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