Peter Y. Solmssen
Ein Amerikaner fürs Grobe

Sein Auftreten ist elegant, seine Sprache gewählt. Trotzdem ist Peter Y. Solmssen der Mann fürs Grobe bei Siemens: Vorstandschef Löscher hat den amerikanischen Juristen geholt, um den Korruptionssumpf trockenzulegen. Angesichts des schier unglaublichen Ausmaßes eine Herkulesarbeit.

MÜNCHEN. Die Couch ist schwarz, aus Leder, weich, aber kalt. Das hat wohl auch mit den hohen weißen Wänden zu tun, die in dem schmucklosen kleinen Eckzimmer auf der Vorstandsetage des Weltkonzerns eigenartige Kühle verbreiten. Viele Siemens-Manager werden die Couch jedenfalls so schnell nicht vergessen: Sie gehört Peter Y. Solmssen, Chefjustiziar im Vorstandsrang und als Antikorruptionschef derzeit einer der wichtigsten Männer in dem vom Schmiergeldskandal erschütterten Traditionskonzern. Wer auf Solmssens Couch Platz nimmt, der packt entweder von selbst aus. Oder er wurde hierher zitiert. Beide Fälle dürften angesichts des schier unglaublichen Ausmaßes der Bestechungsaffäre für die Besucher gleichermaßen unangenehm sein.

Juristen arbeiten am liebsten diskret, da macht der erste US-Amerikaner in der Führungsspitze von Siemens keine Ausnahme. In zwei Wochen wird sich das jedoch für einen Tag ändern, dann wird sich der in Harvard ausgebildete Ex-Anwalt auf der Hauptversammlung erstmals vor ganz großem Publikum präsentieren. Es wird wohl der ungewöhnlichste Geburtstag, den Solmssen je erlebt hat, denn just am Tag des Aktionärstreffens in der Münchener Olympiahalle wird der Mann mit der fliehenden Stirn 53 Jahre alt.

Es ist kein Zufall, dass Solmssen als Hausjurist zum Vorstand ernannt wurde und damit eine für seinen Berufsstand eher ungewöhnliche Karriere gemacht hat. Und es ist auch kein Zufall, dass er damit auf der Hauptversammlung oben auf der Bühne sitzt. Denn der neue Vorstandsvorsitzende Peter Löscher will ein weithin sichtbares Zeichen setzen, dass er es ernst meint mit dem Kampf gegen die Korruption. Aktionäre und Börsenaufsicht, Mitarbeiter und TV-Zuschauer, alle sollen sehen, dass die Bestechungsbekämpfung im Hause Siemens ein Gesicht hat, einen erfahrenen Verantwortlichen.

Wie ein Kämpfer kommt der in Philadelphia geborene, groß gewachsene Mann in seinem dunklen Anzug und dem makellosen weißen Hemd natürlich nicht daher. Sein gepflegtes Äußeres und die feine Sprache, sie passen zu einem ganz andern Bild. Aus solchem Holz waren einst Senatoren geschnitzt – Ostküsten-Elite.

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